War es eine Impulsentscheidung, Ihre berufliche Erfolgslaufbahn zu beenden?

Ja und nein – es war sicher die Mischung aus nachlassender Passion in meiner alten Tätigkeit in Verbindung mit der Teilnahme an einer Schnupperwoche für Holzbildhauerei. Da sprang der Funke über – und ja, so gesehen war es eine Impulsentscheidung zugunsten einer künstlerischen, unsicheren Zukunft in der Bildhauerei.

Gibt es familiäre Vorbilder in Sachen Kunst?

Ich stamme aus einer ländlichen Großfamilie. Meine Mutter hat etwas getöpfert und sakrale Hinterglasmalerei betrieben, mein Vater hobbymäßig unsere Möbel selbst geschreinert. Arbeiten mit den Händen und eine gut ausgestattete Werkstatt war bei uns normal, sicher jedoch nicht mit einer künstlerischen Motivation.

Sie sind also früh mit Werkzeug in Kontakt gekommen. Rührt daher Ihre Begeisterung für Kettensäge und Schweißgerät, mit denen Sie Ihre großformatigen Skulpturen schaffen?

Mein Vater hat uns sicherheitshalber nie ans Werkzeug herangelassen. Als Kind habe ich viel gezeichnet und modelliert. Die Begeisterung kam somit auf dem sogenannten zweiten Bildungsweg.

Drei Jahre hat Ihre Lehre unter Azubis an der Berufsfachschule für Holzbildhauerei und Schreinerei in Berchtesgaden gedauert, jetzt sind Sie Meisterschülerin in Hallein bei Salzburg. Kaum Geld und jüngere Mitschüler – war das gewöhnungsbedürftig?

Eigentlich im Gegenteil: die Twens waren eine große Bereicherung, z. B. dass es eher um Berufung als um einen (gut) dotierten Job geht. Begeisterung und die oft mühselige Lehre schweißen zusammen. Wenn man sich für einen solchen Weg entscheidet, muss man sich gewahr sein, dass man sich von altgewohnten Standards verabschieden muss. Wahrer Luxus ist für mich, das zu tun, wofür mein Herz schlägt – und ich bin ein Glückskind.

Ihre Werke, ob aus Holz, Stahl oder Stein, sind bis zu vier Meter groß, Sie selbst zierlich. Wie bewältigen Sie die Knochenarbeit mit schwerem, teils gefährlichem Gerät?

Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele Muskeln man so hat, die wehtun können. Ich bin ehrgeizig, verliebt in meine Arbeit – und mittlerweile beherrsche ich die richtige Technik. Gefährlich werden die meisten Geräte meist durch Unwissenheit oder wenn man sich zu sicher fühlt. Am wichtigsten aber ist für mich der Kopf, wie ich an das Ganze rangehe. Der Wille versetzt Berge … aus Holz oder Stahl ist dann fast egal.

Wo sehen Sie sich nach der Meisterschule?

Weiterhin lernen, mit sämtlichen Materialien, Holz, Metall, Stein, Beton. Meinen Namen etablieren. Als Künstler kann man nicht anders als zu „machen“, zu gestalten, seinen „Geist“ auszudrücken. Im Moment darf ich die voll ausgestattete Werkstatt von und mit einem Berchtesgadener Kunsthandwerker teilen. Der Austausch ist einfach genial. Ich möchte frei arbeiten können und all meine Sinne für die Arbeit nutzen. Ja, und natürlich davon leben können.

Ach ja, am 15. Juli findet auf der Pernerinsel in Hallein bei Salzburg die Vernissage meines Meisterstückes „DIE HINGABE“ statt. Eichentorso trifft Untersberger Marmor. Infos unter www.perseis.de.