Neue Rekorde, so weit das Auge reicht und die Zukunftstechnologien fest im Blick. Zum runden Geburtstag zeigt sich der Autobauer in Bestform.

Als Harald Krüger im März dieses Jahres die Bilanzpressekonferenz eröffnete, hatte der Vorstandsvorsitzende von BMW gleich doppelt Grund zur Freude: Passend zum 100. Geburtstag des Konzerns präsentierte Krüger den anwesenden Analysten und Journalisten neue Rekordwerte für das zurückliegende Geschäftsjahr, in dem der Münchner Automobilhersteller seine selbst gesteckten Ziele komplett erreichen, wenn nicht sogar übertreffen konnte. Mit 2.247.485 verkauften Fahrzeugen gaben die Münchner einen neuen Absatzrekord bekannt, der Umsatz konnte gegenüber dem Vorjahr um 14,6 Prozent auf einen neuen Bestwert von 92,175 Mrd. Euro gesteigert werden, während das Vorsteuerergebnis mit 9,224 Mrd. Euro erstmals die 9-Mrd.-Euro-Grenze übersprang und man auch beim Nettoergebnis mit 6,396 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert erreichte. Den BMW-Mitarbeitern stellte Harald Krüger die höchste Erfolgsbeteiligung der Branche in Aussicht, den Aktionären eine Rekorddividende in Höhe von 3,20 Euro je Aktie.

Herausforderungen in den Nachkriegsjahren

Pünktlich zum Jubiläum präsentiert sich BMW damit also in Höchstform, was angesichts einer bewegenden 100-jährigen Historie keine Selbstverständlichkeit ist. Als Geburtsstunde der heutigen BMW Group gilt der 7. März 1916, als das Unternehmen sich zunächst auf den Bau von Flugzeugmotoren konzentrierte. Sieben Jahre später folgte die Produktion des ersten BMW-Motorrades R32, 1928 stieg BMW durch die Übernahme einer Fahrzeugfabrik in Eisenach in die Automobilproduktion ein und legte damit endgültig den Grundstein für die Erfolgsgeschichte des Unternehmens. In den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg geriet BMW zunächst allerdings in eine existenzielle Krise, nachdem das Stammwerk in München völlig zerstört wurde und das Werk in Eisenach aufgrund der Teilung Deutschlands verloren ging. Die hohen Verluste aus der schwächelnden Automobilsparte und die wegbrechenden Motorrad-Umsätze konnten vom neuen Hoffnungsträger des Konzerns, dem 1955 einlizenzierten Kleinstwagen Isetta, nicht aufgefangen werden. Als Ende 1959 die Verbindlichkeiten des Unternehmens immer größer wurden und auch die Banken keine weiteren Mittel mehr bereitstellen wollten, galt eine Übernahme durch Daimler-Benz bereits als beschlossene Sache.

Proteste von Belegschaft und Aktionären verhinderten praktisch in letzter Minute den Unternehmenskauf durch den schwäbischen Konkurrenten, der BMW in die Rolle des Zulieferers degradiert hätte. Großaktionär Herbert Quandt, der zunächst zu den Befürwortern eines Verkaufs gehört hatte, erklärte sich im Rahmen des notwendigen Kapitalschnitts mit anschließender Kapitalerhöhung dazu bereit, alle nicht platzierten Aktien zu zeichnen, wodurch der Anteil der Quandt-Gruppe an BMW auf rund 60 Prozent stieg. Bis heute sind die Quandts eng mit dem bayerischen Vorzeigeunternehmen verbunden: die beiden Kinder des Großindustriellen – Stefan Quandt und Susanne Klatten – halten noch immer knapp 47 Prozent aller Aktien.

Siegeszug unter der Ägide Herbert Quandts

Unter der Regie von Herbert Quandt verlagerte BMW seinen Fokus auf klassische Limousinen mit sportlichem Charakter. Ab 1962 feierten die Münchner zunächst mit dem BMW 1500, später mit den Nachfolgemodellen 1600, 1800 und 2000 große Erfolge – allesamt ausgestattet mit vier Türen und Vierzylindermotoren mit bis zu 130 PS. Die Siebzigerjahre standen im Zeichen der Markteinführung der 3er- und 5er-Serie, die mit regelmäßigen Facelifts und neuen Modellen bis heute zu den Bestsellern des Konzerns gehören und als M-Version bis auf über 600 PS hochgezüchtet sind. Das Ziel vor Augen, zu einem weltweit führenden Volumenhersteller aufzusteigen, leistete sich das Management 1994 mit der Übernahme von Rover einen strategischen Fehlgriff. Rund 10 Mrd. D-Mark soll dieses Abenteuer BMW gekostet haben, das man im Jahr 2000 durch den Verkauf für symbolische fünf Pfund wieder beendete und dabei einen Klassiker im Konzern behielt: der Mini wurde mit hohem Marketing-Geschick als neue Lifestyle-Perle positioniert, die dank neuer Modelle in den vergangenen Jahren beachtliche Zuwächse verzeichnen konnte. Seit der Jahrtausendwende schwimmt BMW nun auf der SUV-Erfolgswelle, wo man im Jahr 2000 mit dem X5 einen perfekten Einstieg gefunden und die Modellfamilie in den Folgejahren konsequent um den X3 und X1 oder die Crossover-Varianten X6 und X4 ausgebaut hat.

Mit dem Konzept-BMW Vision Next 100 gab der Konzern zum 100-jährigen Jubiläum jetzt einen Einblick, wohin sich das Automobil in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Mit an Bord sind selbstverständlich die Trendthemen Autonomes Fahren, Connected Car und emissionsfreier Antrieb, schließlich hat BMW schon in den zurückliegenden Jahrzehnten technische Entwicklungen konsequent vorangetrieben und mit dem i3 und i8 bereits den Einstieg in die Elektromobilität geschafft.

„100 Meisterstücke. BMW Group – 100 Jahre Innovationskraft und unternehmerischer Mut“ heißt denn auch die Jubiläumsausstellung des Konzerns, die Besuchern des BMW Museums am Olympiapark in München noch bis September 2017 offensteht und interessante Einblicke in die facettenreiche Geschichte der BMW Group liefert.