Anlagezertifikate sind Wertpapiere, die Anleger an der Entwicklung eines zugrunde liegenden Basiswertes, beispielsweise an einer Aktie, einem Index, einem Rohstoff oder einer Währung, partizipieren lassen. Dabei können Anleger mit Zertifikaten nicht nur auf steigende oder fallende Kurse setzen, sondern von unterschiedlichen Börsentrends profitieren. So lassen sich in allen Marktlagen attraktive Renditen erzielen und das Chance-Risiko-Profil optimieren.

Perfekt positioniert in steigenden Märkten – Index- oder Partizipationszertifikate

Als einfachste Form gelten sogenannte Index- oder Partizipationszertifikate. Diese entwickeln sich 1:1 zu dem jeweiligen Basiswert, der dem Zertifikat zugrunde liegt. Ziel eines Kaufs von Partizipationszertifikaten – etwa auf Indizes – ist zumeist, Risiken gegenüber dem Direktinvestment in einzelne Aktien zu vermeiden. So investieren Anleger mit dem Kauf eines Indexzertifikats auf den DAX 30 mit Hilfe von nur einem Zertifikat in alle 30 DAX-Titel. Mit einem Bezugsverhältnis von 100:1 ausgestattet, kostet ein solches Zertifikat immer ein Hundertstel des aktuellen DAX-Standes. Man merkt bereits: Dieses Zertifikat spielt seine Stärken ausschließlich in steigenden Märkten aus.

Perfekt positioniert in Seitwärtsmärkten 1 – Discount-Zertifikate

Die in Deutschland beliebteste Zertifikate-Gattung, die Discount-Zertifikate, ermöglichen die Investition in einen Basiswert mit einem Abschlag, sprich Discount. So erwerben Anleger das Zertifikat auf eine Aktie, die an der Börse beispielsweise zu 70 Euro gehandelt wird, zu einem Preis von 60 Euro. Der gesunde Menschenverstand sagt: Wo es einen Vorteil gibt, muss meist auch ein Nachteil in Kauf genommen werden. Stimmt! Nach Ablauf einer festgelegten Laufzeit erhalten Anleger am Fälligkeitstag entweder eine Aktie zum aktuellen Kurs oder einen Höchstbetrag, wenn die Aktie oberhalb eines vorher festgelegten Caps („Deckelung“) notiert. Der Cap wird bei Emission festgeschrieben und bleibt während der Laufzeit gleich.

Wer in Discount-Zertifikate investiert, sollte von moderaten Kursbewegungen ausgehen, also Titel wählen, die von Analysten mit der Empfehlung „Halten“ oder „Neutral“ eingestuft sind. Steigt die zugrunde liegende Aktie nämlich über den Cap, partizipiert der Anleger nicht mehr an dieser positiven Entwicklung. Sein Gewinn ist also durch den Cap gedeckelt. Fällt hingegen der Aktienkurs deutlich und ist der „Rabatt“ aufgezehrt, kommt es auch beim Discount-Zertifikat zu Verlusten.

Die Wahl des Discounts entscheidet also über das Chance-Risiko-Verhältnis. Worauf Anleger in jedem Fall beim Discount-Zertifikat verzichten, ist die mögliche Dividende. Diese wird für die Finanzierung der Struktur benötigt.

Perfekt positioniert in Seitwärtsmärkten 2 – Bonus-Zertifikate

Anleger, die auf steigende Kurse einer Aktie setzen, müssen nicht nur das Risiko eingehen, dass der Aktienkurs sinkt. Sie erzielen auch keinen Ertrag, wenn die Aktie seitwärts tendiert – ausgenommen, die Aktiengesellschaft zahlt eine attraktive Dividende. Deshalb können in Marktphasen ohne klare Tendenz Bonus-Zertifikate eine interessante Alternative sein.

Sie kombinieren attraktive Seitwärts-Renditen mit einem Risikopuffer. Um die Bonus-Chance zu wahren, genügt – ähnlich wie bei Discount-Zertifikaten – ein seitwärts tendierender oder sogar leicht fallender Aktienkurs. Allerdings muss bei diesen Zertifikaten eine weitere Bedingung erfüllt sein: Die Aktie darf während der Laufzeit des Zertifikats nie eine vorher festgelegte Kursbarriere berühren oder unterschreiten. Tritt dieser Fall doch ein, erlischt die Bonus-Chance und der Anleger ist am Laufzeitende des Zertifikats ähnlich gestellt wie bei einem Direktinvestment. Der Nachteil zum Direktinvestment in diesem Fall: Wie auch beim Discount-Zertifikat erhält der Bonus-Zertifikate-Anleger keine Dividenden, da diese auch hier zur Finanzierung der Struktur benötigt werden. Ihren Vorteil zu den „Discos“ spielen sie aus, wenn die Aktien doch stärker als erwartet steigen. Denn mit klassischen Bonus-Zertifikaten ist man nach oben unbegrenzt dabei.

Perfekt positioniert in Seitwärtsmärkten 3 – Express-Zertifikate

Express-Zertifikate bieten Anlegern attraktive Renditen – auch wenn die Märkte nahezu stagnieren. Eine minimale Kursbewegung genügt, um mit Express-Zertifikaten erfolgreich zu sein.

Express-Zertifikate beziehen sich meist auf eine Aktie oder einen Index und haben eine mehrjährige Laufzeit. In regelmäßigen Abständen, zumeist jährlich, wird an festgelegten vorzeitigen Bewertungstagen überprüft, ob der Kurs der zugrunde liegenden Aktie auf oder über dem Niveau bei Auflage (= Basispreis oder vorzeitiges Auszahlungslevel) notiert. Ist dies der Fall, bekommt der Anleger sein eingesetztes Kapital (Nominalwert) plus einer Expresszahlung wieder. Anderenfalls läuft das Zertifikat bis zum nächsten Bewertungstag weiter. Die Chance auf eine Expresszahlung geht dabei nicht verloren, denn mit jedem Bewertungstag, auf den keine vorzeitige Rückzahlung folgt, erhöht sich der darauf folgende Auszahlungsbetrag.

Verfehlt die Aktie an allen Terminen das Ziel, über dem Ausgangsniveau zu notieren, ist am letzten Bewertungstag eine untere Barriere entscheidend für die Rückzahlung. Der Anleger bekommt den Nominalwert zurück, wenn der Aktienkurs zwar über der Schwelle notiert, aber unter dem Auszahlungslevel. Sollte am letzten Bewertungstag der Aktienkurs über der Schwelle liegen und über dem Auszahlungslevel, bekommt der Anleger den Nominalbetrag plus die Expresszahlungen der vergangenen Bewertungstage. Berührt die Aktie jedoch die Schwelle am letzten Bewertungstag, wird dem Anleger die Aktie angedient und er erzielt einen Verlust, da die Aktie tiefer steht als beim Kauf des Zertifikats.

Diese Zertifikateart erinnert ein wenig an mehrjährige Anleihen, deren Zinszahlungen sich Jahr für Jahr kumulieren. Nicht zuletzt rückt deshalb diese Gattung in Niedrigzinsphasen stärker in den Fokus der Anleger.

Sicher positioniert in fallenden Märkten – Kapitalschutz-Zertifikate

Kapitalschutz- oder auch Garantiezertifikate bieten dem Anleger eine garantierte Rückzahlung des eingesetzten Kapitals und kommen damit dem Sicherheitsbedürfnis vieler deutscher Anleger entgegen. Dafür ist die Partizipation bei positiver Kursentwicklung des Basiswerts aber deutlich eingeschränkt. Kapitalschutz-Zertifikate können sehr unterschiedlich ausgestattet sein. Beliebte Basiswerte sind z. B. der DAX oder auch der Euro Stoxx 50.

Einen Aspekt sollte man aber bei Garantiezertifikaten, wie auch bei allen anderen Zertifikate-Gattungen, nicht aus den Augen verlieren: das Emittentenrisiko. Insbesondere bei länger laufenden Zertifikaten sollten Anleger sich über die Bonität des Emittenten ausreichend informieren.