Dem täglichen Trott entfliehen – gerade in der nun wieder beginnenden dunklen Jahreszeit lässt schon die Urlaubsplanung und die Vorfreude auf Sonne, Sand und blauen Himmel die Laune an tristen Tagen steigen. Neue Länder kennenlernen, spannende Städtereisen, in fremde Kulturen eintauchen, exotische Robinsonaden – oder einfach die Seele baumeln lassen: Alltagsmüden steht die Welt buchstäblich offen. Schon der Gedanke an einsame Palmenstrände, unberührte Natur und exquisite Hotels reicht für viele aus, um stundenlange Fernweh-Attacken auszulösen.

Niedrige Zinsen sowie immer wiederkehrende Turbulenzen an den Börsen verlocken aber immer mehr Reiselustige, in Betongold zu investieren, sprich: über die eigene Ferienimmobilie nachzudenken. In den Ferien nach Hause kommen, lautet das Motiv vieler Käufer. Gerade für Familien liegen die Vorteile auf der Hand: die Eingewöhnungszeit ist sehr kurz, der Urlaub geht sozusagen direkt los und man hat vieles vor Ort – ein bei Reisen mit Kleinkindern nicht zu unterschätzender Vorteil. Muss man doch oft das halbe Kinderzimmer in die inzwischen stark restringierten Kofferkontingente verstauen.

Ältere Semester wiederum erfüllen sich ihren Traum des Zweitwohnsitzes im Alter – frei nach dem Motto: im Winter auf Mallorca, im Sommer zuhause. Gerade auf den Balearen verbringen immer mehr Deutsche die schönste Zeit des Jahres in ihren eigenen vier Wänden. Nach Angaben des spanischen Ministeriums für Inlandsentwicklung ging im vergangenen Jahr bereits jede dritte Ferienimmobilie auf Mallorca, Ibiza und Menorca in die Hände von Nicht-Spaniern über. Bundesbürger sind mit einem Anteil von über einem Drittel die größte Käufergruppe, gefolgt von Briten, Schweden und Schweizern.

Mehr als die Hälfte aller Ferienhäuser, die Bundesbürger besitzen, liegen jedoch hierzulande. Neben der erhofften Wertstabilität schätzen die Eigentümer das vertraute Rechtssystem. Zudem müssen sie auf weniger Stolpersteine gefasst sein als in einem fremden Land, dessen Sprache sie mitunter nicht sprechen. Nicht zuletzt sind die Objekte in Deutschland meist gut erreichbar.

Mit Meer- und Seeblick

Möchte man das Objekt der Begierde nicht allzu oft leerstehen lassen oder als Kapitalanlage nutzen, lohnt die Vermietung. Doch dann gelten andere Prioritäten. „Käufer von Ferienimmobilien wägen heute viel stärker ab, ob sich die Investition lohnt. Sie kaufen nicht mehr zwangsläufig dort, wo sie selbst am liebsten Urlaub machen, sondern dort, wo es sich am besten vermieten lässt“, weiß Tobias Wann, Geschäftsführer des Ferienhausvermieters „FeWo-direkt“.

Auch bei Ferienobjekten gilt der vielzitierte Slogan der Immobilienwirtschaft: Lage, Lage, Lage. Die Wohnung oder das Häuschen sollte vorzugsweise in einer der beliebten Urlaubsregionen liegen: Immobilien an den Meeresküsten, in den Alpen oder am Bodensee sind besonders beliebt und werden entsprechend gut gebucht.

Vor Ort ist ebenfalls der Standpunkt maßgeblich. Zum Strand sollte es nicht weiter als ein Kilometer sein, zudem erhöhen Meer- oder Seeblick naturgemäß den Appetit der Urlauber. Kommt eine hochwertige Ausstattung hinzu, lässt sich die Wohnung häufiger vermieten.

Der Maklerverband IVD rechnet vor, dass sich eine Ferienimmobilie lohnt, sobald sie mindestens 17 Wochen pro Jahr vermietet wird. Dann sind die Einnahmen höher als die Kosten für Kredit, Tilgung und Unterhalt. Die besten Renditen lassen sich im Sommer an der Ostseeküste erzielen – hier stehen die Kaufpreise in einem günstigen Verhältnis zur steigenden Beliebtheit bei den Urlaubern.

Erhebliche Preisunterschiede

Der teuerste Standort wiederum ist nach wie vor die noble Nordseeinsel Sylt, wo in begehrten Lagen wie Kampen oder Keitum in der Spitze 17.000 Euro je Quadratmeter für Eigentumswohnungen aufgerufen werden. Zum Vergleich: Die gleiche Fläche in Füssen im Ostallgäu ist teils schon für 3.000 Euro zu haben.

Tief in die Tasche greifen muss auch, wer sein Geld angesichts der noch nicht ausgestandenen Euro-Krise in eine Ferienwohnung in Schweizer Franken anlegen will. Eine Etagenwohnung mit Zweitwohnungsstatus schlägt in Davos mit 12.600 Euro je Quadratmeter zu Buche, im Engadin werden mehr als 16.000 Euro fällig. Und eine Zweieinhalb-Zimmer-Wohnung in Zermatt mit Blick auf das Matterhorn kann schon mal 780.000 Euro kosten.

Wer seinen Traum im Ausland finanzieren will, muss jedoch hohe Hürden überwinden. Die ING-DiBa etwa finanziert generell nur Objekte in Deutschland und Ferienimmobilien nur unter bestimmten Voraussetzungen: Sie können nur dann als Sicherheit dienen, wenn sie dauerhaft zu Wohnzwecken vermietet werden können und sich nicht in Ferienparks oder -anlagen befinden. Zudem gelten für die Bonitätsprüfung höhere Anforderungen.

Vor diesem Hintergrund zieht mancher Ferienimmobilienbesitzer in spe dann doch die klassische Urlaubsvariante im Hotel vor. Dort entfällt zumindest das leidige Kochen und Spülen. Zudem lockt Weltenbummler die örtliche Unabhängigkeit. Betongold-Besitzer hingegen müssen immer das gleiche Ziel ansteuern, um ihre Kosten im Zaum zu halten. Denn nur die wenigsten können eigene Wohnungen auf Mallorca, in der Schweiz und dem „Sunshine State“ zugleich ihr Eigen nennen.