Autonomes und automatisiertes Fahren ist in aller Munde. Geradezu ein Hype ist ausgebrochen im Rennen um die ersten Serienfahrzeuge, die sich allein im Straßenverkehr bewegen können. Audi hat ein Fahrzeug angekündigt, das Level 3 erfüllen soll. Doch was bedeutet eigentlich „Level 3“? Die Einteilung erfolgt schrittweise: Ausgehend von Level 0, bei dem der Fahrer lenkt und vollkommen allein ohne Unterstützung durch Assistenzsysteme fährt, bis hin zu Level 5, bei welchem sich das Fahrzeug fahrerlos, also autonom, fortbewegt. Fahrerassistenzsysteme von Level 1 sind heute bereits weit verbreitet. Einige Fahrzeuge bieten mit dem Lenk- und Spurführungsassistenten sowie ferngesteuertem Einparken bereits Systeme aus Level 2, dem „Teilautomatisierten Fahren“ an. Level 3 „Hochautomatisiertes Fahren“, Level 4 „Vollautomatisiertes Fahren“ und Level 5 „Autonomes Fahren“ sind noch Zukunftsmusik.

Nahverkehr

Ein besonderes Augenmerk legen die Unternehmen neben den selbstfahrenden PKWs auf den autonom fahrenden Nahverkehr. Robotaxis und das zugehörige Ridesharing sollen die nächste Evolutionsstufe des Carsharing werden. Die Idee ist simpel: Mehrere Personen mit der gleichen Fahrroute teilen sich ein Fahrzeug. Für diesen Einsatz ist etwa der e.GO Mover konzipiert worden. Der Kleinbus für 14 Personen wurde von dem Start-up e.GO Mobile entwickelt, das aus einem Forschungsprojekt der RWTH Aachen hervorgegangen ist. Der e.GO Mover fährt elektrisch und soll mit vollautomatisierten Fahrfunktionen des Level 4 ausgestattet sein. Zielkunden sind Kommunen und Verkehrsbetriebe. Die erste Auslieferung ist für kommendes Jahr geplant, 400 Stück sollen gebaut werden.

Der vergleichbare EZ10 des französischen Herstellers EasyMile ist schon seit 2017 in Bayern unterwegs – als erster autonomer Linienverkehrsbus. Wenn auch auf einer sehr kurzen Strecke, gerade einmal 700 m dauert der Alleingang. Er fährt ebenfalls mit Strom und hat keinen Fahrer. Nur ein Fahrtbegleiter, der bei Bedarf eingreifen kann, ist an Bord. Die projektverantwortliche Deutsche Bahn will zukünftig die Strecke ausweiten.

Team Deutschland mit autonomen Shuttles

Daimler und Bosch kündigten die ersten Tests von autonomen Shuttle-Services mit Kunden ab Mitte 2019 auf US-Straßen an. Die beiden Konzerne arbeiten gemeinsam an fahrerlosen Autos für die unterschiedlichsten Fahrdienste. Anfang 2020 sollen die Fahrzeuge serienreif sein. Es soll erprobt werden, wie sich vollautomatisierte Fahrzeuge in den echten Stadtverkehr mit vielen unterschiedlichen Verkehrsteilnehmern integrieren lassen. Der weltweit führende Automobilhersteller und der weltweit größte Autozulieferer entwickelten jeder für sich schon seit 2013 Konzepte für fahrerlose Autos. 2017 schlossen sie sich zusammen, um ihr technologisches Know-how zu bündeln und die mit der Entwicklung verbundenen hohen Kosten, die auf einen dreistelligen Millionenbereich geschätzt werden, im Rahmen zu halten. Sicherheit habe oberste Priorität, erklärte Michael Hafner, Leiter für automatisiertes Fahren bei Daimler. „Gründlichkeit geht dabei im Zweifel vor Schnelligkeit.“

Die mit Sensoren und Kameras ausgestatteten Mercedes-Modelle können zwei Passagiere aufnehmen. Ein Verbund mehrerer Steuergeräte verarbeitet die Unmengen an Daten, die für sicheres Fahren gebraucht werden. Eine Plattform für künstliche Intelligenz zum ständigen Anpassen an neue Situationen bezogen die Partner beim US-Technologieunternehmen Nvidia.

Die Konkurrenz aus Silicon Valley

Betrachtet man die Anzahl der Meilen, die in Kalifornien in den vergangenen Jahren von den Fahrzeugen der Zukunft zurückgelegt wurden, ist klar: Die Alphabet-Tochter und Google-Schwester, Waymo, die mit FiatChrysler kooperiert, hat die Nase vorn, wenn es um Hard- und Software von computergesteuerten Autos im Echteinsatz geht. Rund 1,5 Millionen Meilen haben die Waymo-Autos bereits zurückgelegt. Den rund 600 FiatChrysler-SUVs, die bereits auf den Straßen fahren, werden laut dem Unternehmen demnächst „Tausende“ weitere Fahrzeuge folgen. Und erst im Frühjahr wurde eine Kooperation mit Jaguar unterzeichnet, bei der Waymo bis zu 20.000 Land Rover seiner Elektro-Flotte eingliedern darf.

Abgeschlagen ist nach Ansicht einiger Experten Apple. Dabei hatte sich der iPhone-Hersteller bereits vor Jahren mit großen Ambitionen dem Thema autonomes Fahren genähert. Einst waren am Markt sogar Gerüchte umgegangen, Apple plane ein eigenes iCar. Das Projekt „Titan“, mit dem Apple vor rund vier Jahren „eine Neuerfindung des Autos“ betrieben hatte, wurde offenbar ad acta gelegt.

Anstelle der Entwicklung des eigenen iCars,beschränkt sich der Konzern nun darauf, Software für selbstfahrende Autos bereitzustellen. Eine groß angelegte Kooperation, wie bei Waymo und FiatChrysler, sucht man bei Apple aber noch vergebens. Zusammen mit VW entwickelt Apple selbstfahrende Personentransporter, aufbauend auf der T6-Serie der Wolfsburger. Damit sollen vom Apple-Hauptquartier in Cupertino Mitarbeiter zu den anderen Standorten in Kalifornien pendeln. Auch für ein kleineres Projekt mit Lexus, der Premiummarke von Toyota, stattete Apple 50 Lexus-SUVs mit den entsprechenden Steuerungseinheiten aus.

Dass Apple immer für eine Sensation gut ist und damit in der Vergangenheit immer wieder Experten und Analysten überraschte, ist bekannt. Möglicherweise steht ein neuer Coup bevor, brodelt es doch in der Gerüchteküche, dass Apple an einer Tesla-Übernahme interessiert sei. Die Barmittel des IT-Giganten übersteigen den Börsenwert von Tesla um ein Vielfaches. Und Twitter-Meldungen wie die von Elon Musk, dass er überlege, Tesla vom Kurszettel zu nehmen, feuern die Gerüchte weiter an.

Zukunftsmusik

Wer tatsächlich das erste selbstfahrende Auto in Serie auf den Markt bringen wird, ist nicht absehbar. Es bedarf zweifellos noch bei allen Beteiligten vieler Testkilometer und Test-Milliarden, bis ein solches Fahrzeug den jeweiligen Behörden präsentiert werden kann, die diese Fahrzeuge dann für straßentauglich erklären. Blickt man noch weiter in die Zukunft, stellt sich die Frage, wann die Behörden es Menschen verbieten werden, selbst zu fahren, da sie beim Autofahren im Gegensatz zum Computer zu unvernünftig sind.