Als Hollywood-Regisseur William Wyler 1952 in Rom seinen Welterfolg „Ein Herz und eine Krone“ drehte, grübelte er lange darüber nach, wie er die Leichtigkeit und den Esprit dieser Stadt, wie er ihre Lebensfreude am besten in eine Szene packen könnte. Schließlich glaubte er, die Lösung gefunden zu haben: Er beschloss, Audrey Hepburn und Gregory Peck, die Stars des Films, auf eine waghalsige Tour über die Straßen der Stadt zu schicken – und zwar auf einem jener merkwürdigen Vehikel, die sich überall in Rom so unkonventionell und, nun ja, „elegant“ durch den Verkehr schlängelten: auf einer Vespa.

65 Jahre später kann man sagen: Es hat funktioniert. Die strahlende und lachende Audrey Hepburn am Lenker des damals noch lange nicht „kultigen“ Motorrollers: Spätestens seit dieser Filmszene, die überall in der westlichen Welt gesehen wurde, gilt die Vespa als Inbegriff von mediterraner Leichtigkeit und italienischem Lebensgefühl. La Dolce Vita auf Rädern.

Mehr als 18 Millionen Roller aus dem Hause Piaggio sind verkauft worden, seitdem die ersten 15 knatternden Zweiräder 1946 die Produktionshallen in der toskanischen Kleinstadt Pontedera verließen. Mit 3,2 PS und einem Hubraum von 98 Kubikzentimeter schafften die ersten Vespas schon bis zu 60 Stundenkilometer. Unzählige weitere Modelle folgten und schlugen eine bis heute ununterbrochene Erfolgsstrecke ein, auch in Deutschland. Hierzulande dominiert Piaggio den Roller-Markt so unangefochten wie sonst nur Bayern München die Fußball-Bundesliga.

Das ist seit Jahren hauptsächlich der Vespa GTS Super 300 zu verdanken, dem Lieblingsmodell der Deutschen (Preis: ab ca. 6.000 Euro). Bei vier von zehn in Deutschland neu zugelassenen Rollern handelt es sich um eine als Zwei- oder Viertakter erhältliche GTS-300. Annähernd 4.000 Exemplare wurden allein 2017 davon verkauft. Schon der Zweitplatzierte Honda musste sich mit seinem SH 300 mit 700 Verkäufen begnügen.

Zur Arbeit oder Freizeit?

Sicher und flott, bequem und mit Frischluftgarantie unterwegs sein: Gerade jetzt im Frühling können viele Roller-Fans es nicht mehr abwarten, ihr Gefährt wieder aus der Garage zu holen. Fahrten durch die erblühende Natur und Stadttouren stehen dabei am häufigsten auf dem Plan: Branchenexperten haben herausgefunden, dass Vespa und Co. in Deutschland ganz überwiegend in der Freizeit genutzt werden. Anders als etwa in Frankreich und Italien, wo hubraumstarke (und entsprechend teurere) Roller auch häufig auf dem Weg zur Arbeit eingesetzt werden.

Dementsprechend bilden Motorroller der leistungsmäßigen Mittelklasse bei uns die gefragteste Kategorie. 60 Prozent aller verkauften Exemplare verfügten 2017 über Motoren mit 300 bis 400 Kubikzentimetern Hubraum und 20 bis 35 PS. Dass sich daran voraussichtlich auch in Zukunft nicht viel ändern wird, zeigt sich auch daran, dass Hersteller, die traditionell auf größere Motoren setzen, nun ebenfalls in die sogenannte „Midsize-Klasse“ stoßen – so etwa BMW mit seinem C 400 X.

E-Roller auf dem Vormarsch

In den letzten Jahren wagten sich einige Hersteller auch auf das Feld der Elektromotoren. Allerdings waren die Reichweiten mit oft unter 100 Kilometern nicht gerade attraktiv. Das ändert sich gerade. So schickt BMW seit vergangenem Jahr eine verbesserte Version seines C-evolution-Rollers auf die Straße, der 160 Kilometer Reichweite verspricht.

Da ist ein kleines holländisches Start-up-Unternehmen allerdings schon weiter. Der neue „AppScooter“ soll phänomenale 400 Kilometer Reichweite schaffen. Erreicht wird dies durch die Installation von insgesamt sechs Akku-Modulen, von denen jedes Energie für etwa 70 Kilometer liefert. Der Haken daran: Jedes Modul muss extra bezahlt werden. So kommen zu dem Grundpreis mit einem Akku (knapp 3.000 Euro) für jedes weitere Modul noch einmal rund 500 Euro hinzu. Bei maximaler Reichweite liegt man also bei 5.500 Euro.

Und die Vespa? Auch die Mutter aller Motorroller setzt nun erstmals auf Elektro-Antrieb: Für dieses Jahr hat Piaggio die Vespa Elettrica angekündigt. Mit einer auf 45 Stundenkilometer gedrosselten Höchstgeschwindigkeit kommen Fahrer hier sogar mit einem Versicherungskennzeichen aus. Als maximale Reichweite sind 100 Kilometer angepeilt. Der Akku lässt sich per Ladekabel an jeder haushaltsüblichen Steckdose wieder aufladen und braucht dafür nach Hersteller-Angaben etwa vier Stunden. Dafür ist man mit seiner Vespa dann aber auch lautlos und abgasfrei unterwegs. Bestimmt hätte Audrey Hepburn mit so einer Öko-Vespa noch mehr Spaß gehabt.