Die erste Börse der Schweiz wurde 1850 nicht etwa in Zürich, sondern in Genf unter der Bezeichnung „Société des agents de change réunis“ gegründet. Fünf Jahre später bekam auch Zürich seinen Handelsplatz, an dem allerdings erst ab 1884 mit staatlicher Bewilligung und unter Einhaltung des Zürcherischen Wertpapiergesetzes gehandelt wurde. In den folgenden Jahrzehnten profitierte Zürich von seiner zentralen Lage mitten in der Schweiz ebenso wie von den zahlreichen Industrie- und Handelsfirmen in der Region Zürich, deren Kapitalbedarf mit der zunehmenden Industrialisierung wuchs. So siedelten sich im Laufe der Zeit immer mehr Versicherungen und Finanzdienstleister rund um den Zürichsee an.

Die Börse im Zeichen der Weltkrisen

Als die Aktienkurse mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs einbrachen, wurde der Handel an den Börsen in Zürich und Basel zwischen Sommer 1914 und Anfang 1915 für einige Monate ausgesetzt, an den Handelsplätzen in Lausanne und Genf wurde in diesem Zeitraum lediglich der Handel mit festverzinslichen Werten fortgeführt. Der Börsendepression folgte nach Beendigung des Krieges eine starke Hausse, der in den Zwanziger- und Dreißigerjahren mehrere Hausse- und Baissephasen folgten. Im Zuge der Weltwirtschaftskrise fielen die Aktienkurse an der Zürcher Börse auf Rekordtiefs, und auch der Beginn des Zweiten Weltkrieges bedeutete für die Entwicklung der Börse einen herben Einschnitt sowie eine vorübergehende Unterbrechung des Handels.

Technologischer Vorreiter

Externe Schocks aus der Weltwirtschaft führten auch nach Ende des Zweiten Weltkriegs regelmäßig zu Verwerfungen an der Schweizer Börse, die sich im Laufe der Zeit jedoch immer professioneller aufstellte. Mit einem Kursinformationssystem, das auf einem schmalen Streifen Papier Börsenkurse aus Zürich an beliebig viele Empfänger übermitteln konnte, setzte die 1930 gegründete Ticker AG Maßstäbe. Dem Börsenticker folgte 1961 das erste Börsenfernsehen der Welt. Weitere 30 Jahre später starteten die Börsen in Zürich, Genf und Basel das gemeinschaftliche Projekt der elektronischen Börse, die 1996 als elektronisches Handelssystem für Aktien und Obligationen ihren Betrieb aufnahm. Schon im Jahr zuvor schlossen sich die drei Börsen zur SWX Swiss Exchange zusammen. Während die regionalen Börsenplätze in Bern und Genf anschließend zunehmend an Bedeutung verloren, entwickelte sich die Zürcher Börse zu einem der wichtigsten Börsenplätze weltweit. Zur Jahrtausendwende rangierte die Schweizer Börse auf Platz 6 der größten Börsen der Welt. 2008 schlossen sich die SWX Group, die Telekurs Group (ehemals Ticker AG) und die SIS Group zur SIX Group zusammen. Damit konnten Wertpapierhandel, Finanzinformationen, Wertpapierdienstleistungen und Zahlungsverkehr aus einer Hand angeboten werden. Aus der SWX Swiss Exchange wurde die SIX Swiss Exchange.

Neues Zuhause seit diesem Jahr

Im Laufe der Zeit wechselte die Börse Zürich mehrfach ihren Standort. Die erste Zürcher Börse errichtete Semper-Schüler Albert Müller in den Jahren 1877 bis 1880 an der Ecke Bahnhofstraße/Börsenstraße. Ende der Zwanzigerjahre wurde die Alte Börse Zürichs unweit des Paradeplatzes erbaut. 1992 erfolgte der Umzug in das neue Börsengebäude im Zürcher City-Quartier, wo die Neue Börse Zürich erst kürzlich ihre Zelte erneut abgebrochen und ihre Aktivitäten komplett in den Hard Turm Park im Westen Zürichs verlagert hat. Mit Eröffnung des Schweizer Finanzmuseums (finanzmuseum.ch) Ende Juni erhalten Besucher dort auch einen umfassenden Eindruck über die Geschichte des Finanzplatzes Zürich und die Entwicklung der Schweizer Börse.

Wichtiger Gradmesser

Ein Meilenstein in der Historie der Börse zwar zweifelos die Einführung des Swiss Market Index (SMI) am 1. Juli 1988, als Leitindex für den schweizer Aktienmarkt. Im Gegensatz zum DAX wird der SMI seitdem als Kursindex berechnet. Dividenden werden also nicht eingerechnet. Der Index umfaßt die 20 liquidesten und größten Titel die an der Börse Zürich gelistet sind. Der größte Kritikpunkt am SMI ist die Gewichtung anhand der Marktkapitalisierung. Schwergewichte wie die beiden Pharma-Riesen Novartis und Roche sowie der Lebensmittelkonzern Nestlé kommen dadurch zusammengenommen auf eine Gewichtung von über 60 Prozent. Dies wird im September aber behoben. Das Maximalgewicht eines Titels im Swiss Market Index wird fortan auf 18 Prozent begrenzt.