Und jetzt bei ca. 4.000 Punkten mehr steht der nächste Crash doch praktisch schon vor der Tür, oder? So hat die Masse der Deutschen die Hausse ebenso verpasst wie die großen Kapitalsammelstellen mit Aktienquoten von nur um die 4 Prozent.

Deutsche Anleger sehen die Risiken, ausländische Investoren die Chancen

Wer kauft überhaupt deutsche Aktien? Die üblichen Verdächtigen – Briten, Schweizer, Amerikaner – hassen deutsche Aktien nicht. Sie lieben sie, denn unsere Industrieperlen profitieren von einer stabilen Weltwirtschaft und günstigen Energiepreisen, die wie Steuersenkungen wirken. Zusätzlich werden unsere Unternehmen durch den zinspolitischen Freuanfall der EZB konjunkturell überdüngt. Und ein „Draghi-sch“ gedrückter Euro sorgt für noch mehr Sektlaune in der Exportindustrie und subventionierte Kaufpreise für ausländische Investoren.

Überhaupt, mit dem Aufkaufprogramm der EZB – Einer Zahlt Bestimmt – wurde den Deutschen ihre Lieblingsgeldanlage „Zinsvermögen“ gestohlen, wie die Gans im Kinderlied vom Fuchs. Früher, mit durchschnittlich z.B. 4 Prozent für deutsche Staatsanleihen, konnte man alternativ in kalten Aktienzeiten gut überwintern. Bei aktuell 0,15 Prozent sind diese Aufwärmstationen nicht mehr in Betrieb und werden auch zukünftig nicht mehr reaktiviert. Steigende Zinsen mögen zwar Anleger wärmen, bei überschuldeten Euro-Staaten führen sie jedoch zum finanziellen Kältetod. Und so sind heutzutage hohe Dividendenrenditen die besseren Zinsen.

Konsolidierungen ja, Aktiencrash nein

Insofern ist Angst vor einem Aktiencrash genauso wenig angebracht wie Angst vor dem Gespenst unter dem Bett. Es fehlen die Zutaten. Zwischenzeitliche Kursrücksetzer sind aber möglich. Da haben wir zunächst die US-Leitzinswende. Doch um das Platzen der größten Anlageklasse aller Zeiten – der Anleiheblase – zu verhindern, wird diese uns nicht schmerzen wie eine Wurzelbehandlung beim Zahnarzt. In Form eines Zinswendchens wird sie wie bei einer Zahnreinigung nur kurzfristig wehtun. Übrigens, historisch haben sanfte US-Zinserhöhungen die Aktienmärkte noch weiter steigen lassen.

Auch ein GREXIT hätte Aktienstörpotenzial. Doch würden viele Investoren „griechische“ Kursrückgänge zum Einstieg nutzen, weil wieder mehr Stabilität in die Eurozone zurückkehrt und die EZB jeden feindlichen Dominoeffekt auf weitere Euro-Länder in Liquidität ersäufen würde.

Allerdings könnte den schwarzen Schwan einer Eskalation des geopolitischen Konflikts in der Ukraine selbst die EZB nicht verscheuchen. Hier hoffen wir auf die Vernunft aller Beteiligten. Grundsätzlich sind Kurskonsolidierungen ein gesundes Ventil für Kursübertreibungen.

Aktiensparpläne – banal und genial

Bei Sorgen über das hohe Kursniveau sind regelmäßige Aktiensparpläne ein wirksames Mittel: Steigen die Kurse, ist man vermögender, sinken sie, erhält man für seinen Euro-Beitrag mehr Aktienanteil. Langfristig macht sich diese Anlagestrategie bezahlt. Sparpläne sollten uns mindestens so wichtig sein wie Bananen.