Mit der biederen Bouletten-Bombe hat das manierlich angerichtete Kunstwerk auf dem Teller schon auf den ersten Blick nicht viel zu tun. Obgleich es kulinarisch der weit verzweigten Familie der „Burger“ zugerechnet wird, hat es mit den verschwisterten „Cheese“-, „Big“-, „Double“- oder „Mega“-Burgern rein gar nichts zu tun: Fein gehacktes Luxus-Fleisch vom edlen Wagyu-Rind, ein Tröpfchen Trüffelmayonnaise, erlesen abgeschmecktes Dressing, dazu ein kühler Kelch Jahrgangs-Champagner! Hier – das wird schnell deutlich – handelt es sich um ein Burger-Gericht, das kulinarisch schon in den Adelsstand aufgestiegen ist und dazu noch einen Trend deutlich macht: Fast Food erreicht eine neue Finesse, die Champagner-Burger sind da!

Natürlich ist das nicht der offizielle Name der neuen Geschmackswunder. Aber er zeigt, in welcher Liga die veredelte Volksspeise inzwischen angesiedelt ist. Serviert werden die neuen Burger in sogenannten Burgerbars. Ein Trend, der in den letzten Jahren aus den USA importiert wurde. Diese monothematischen Restaurants haben sich auf die Fahne geschrieben, das profane Produkt Hamburger geschmacklich in die Luxusklasse zu heben. Angefangen beim Fleisch über das Brot, die Zutaten wie Käse, Saucen und Gemüse – die Qualität kann der eines Sterne-Restaurants durchaus standhalten. Das macht sich natürlich auch im Preis bemerkbar: 30 Euro und mehr sind für die Luxus-Bouletten keine Ausnahme und werden nicht nur von den Restaurantbesitzern als durchaus gerechtfertigt eingestuft. Die Redaktion des Börse Frankfurt Magazins hat sich in der Mainmetropole umgesehen und die besten Burger der Stadt getestet.

FLETCHERS BETTER BURGER

Die Münchner Straße im Frankfurter Bahnhofsviertel gehört nicht zu den besten Adressen der Stadt. Dafür kann sie aber mit einem der besten Burgerläden Mainhattans punkten. Geflieste hellgraue Wände und die kühle Ästhetik einer Provinzbahnhofshalle machen es leicht, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Der „Double Double Bacon Cheeseburger“ (doppelt Fleisch, doppelt Käse) kommt im selbst gebackenen Brötchen daher und macht einen sehr saftigen und schon vor dem Verzehr sättigenden Eindruck. Um wirklich jegliche Zweifel an einem zu kalorienarmen Gericht zu verwerfen, wurden auch noch Pommes mit Jalapeños und Bacon mit Cheddar überbacken bestellt.

Die Pommes halten, was der Name und der Anblick versprochen haben. Fett ist bekanntlich Geschmacksträger, und bei dieser Melange aus salzig und scharf hat es viel zu tragen. Nach dem Verzehr der Pommes kommt der Burger fast fad daher, was möglicherweise auch an den Ausmaßen liegt – zunächst bekommt man nur Brötchen und Gemüse ab. Spätestens ab dem dritten Biss wird dann aus dem Durchschnittsburger ein BETTER BURGER.

Burgerbaby

In der Höhenstraße 24 und damit in unmittelbarer Nähe zur Berger Straße, einem Ort, den man in Hamburg oder Berlin als Kiez bezeichnen würde, hat sich ein kleiner, aber sehr feiner Laden etabliert. Die Auswahl der Getränke zaubert schon mal ein Lächeln auf die Lippen der hungrigen Tester. Fritzlimo ist wirklich lecker. Aber wenn es um koffeinhaltige Getränke geht, insbesondere in der Light- oder Zero-Version, macht keiner dem multinationalen Konzern aus Atlanta etwas vor. Aber nun zum Wesentlichen: Der Hackfleischklumpen wird zum Grill (befindet sich im Gastraum) befördert und vor den Augen des Gastes in Form gebracht und auf die heiße Platte gelegt. Mehr Transparenz geht wirklich nicht.

Die angebotenen Extras sind Standard, die Chipotle-Soße hingegen Weltklasse. Leicht scharf und schön cremig rundet sie den bestellten 220g-Hamburger mit Jalapeños und Cheddar wunderbar ab. Die Frage, ob das Fleisch bei einem Burger – wie bei einem Steak – „medium“ sein sollte oder doch lieber „well“, scheidet die Geister. Bei Burgerbaby könnte man die Garstufe als „medium-well“ bezeichnen, was beide Parteien zufriedenstellen dürfte.

Man mag es als Purismus bezeichnen, dass als Beilage nur einfache Pommes angeboten werden. Variationen davon (à la Fletchers) oder zumindest Süßkartoffelpommes wären eine willkommene Erweiterung der Karte.

Die Kuh die lacht

In unmittelbarer Nähe zur Börse, im oberen Bereich der Schillerstraße, hat bereits vor mehreren Jahren ein angenehm aufgeräumter Laden eröffnet, der versprach, beste Burger von (ehemals) glücklichen Kühen anzubieten. Seiner Zeit vielleicht ein paar Jahre voraus, wurden Pastinaken- und Süßkartoffelchips angeboten. Beim ersten Verzehr ganz amüsant, erwiesen sie sich schon beim zweiten Mal als völlig ungeeignete Sättigungsbeilage und die Küche besann sich wieder auf die guten alten Pommes. Die Burger waren zweifellos in Handarbeit zubereitet worden, was sie aber leider nicht weniger trocken sein ließ. Die leckere hausgemachte Chilisoße, reichlich Mayonnaise und Senf ließen die Burger dann doch zu einem Genuss werden. Aus den genannten Gründen für mehrere Jahre gemieden, trauten sich die Börse Frankfurt Magazin Tester nun wieder in die Schillerstraße 28 und wurden für ihren Mut belohnt.

Der Chef Burger (doppelt Fleisch) kam äußerst saftig daher, ohne eine Chilisoße-Infusion erforderlich zu machen. Die Pommes und der selbst gemixte Ketchup waren  nach dem Doppel kaum mehr zu schaffen. Zwei Konstanten sind geblieben: Die Chipotle-Soße ist immer noch göttlich, und die Süßkartoffel-Chips sind immer noch kein adäquater Pommes-Ersatz.