Zur Feier ihres 425-jährigen Bestehens hatte sich Berenberg, Deutschlands älteste Privatbank, Mitte September etwas ganz Besonderes ausgedacht. Pop-Superstar Robbie Williams, dessen Live-Auftritte regelmäßig viele Tausend Fans in ausverkaufte Stadien und Festhallen locken, gab sich für eine halbstündige Privatshow vor ein paar hundert Berenberg-Bankern die Ehre. „Let me entertain you“, einer der größten Williams-Hits, bringt auf den Punkt, was viele Privatbanken umtreibt: das Umsorgen der wohlhabenden Klientel weit über das reine Geschäft der Filialbanken hinaus.
Die Geschichte der Privatbanken in Deutschland reicht zurück bis ins 16. Jahrhundert. Weil es kein funktionierendes Bankensystem gab, übernahmen die Kaufleute Hans und Paul Berenberg im Laufe der Zeit selbst die Finanzierung der Warengeschäfte, gewährten ihren Kunden Kredite und bevorschussten die Sendungen ihrer Lieferanten. Heute ist Berenberg eine der führenden Privatbanken in Europa, mit 1.250 Mitarbeitern an 19 Standorten in Europa, Amerika und Asien.

Gab es Anfang des 20. Jahrhunderts noch rund 1.400 Privatbanken, ist deren Zahl bis heute auf weniger als ein Dutzend zurückgegangen. Während das Traditionshaus Sal. Oppenheim 2009 von der Deutschen Bank geschluckt wurde, gehört die Berenberg zur niederländischen ABN Amro Bank.

Im Juli kam die traditionsreiche Frankfurter Privatbank Hauck & Aufhäuser in chinesische Hände. Die Beteiligungsgesellschaft Fosun International übernahm zunächst 80 Prozent der Anteile an dem 1796 gegründeten Institut, das bisher vor allem deutschen Unternehmern wie Mast („Jägermeister“), Heraeus und Riegel („Haribo“) sowie reichen Familien gehörte. Damit geht zum ersten Mal eine deutsche Bank an einen Mehrheitseigentümer aus China.

Gediegenheit und Diskretion

Als hierzulande größte Privatbankiers unter den Mitgliedsinstituten des Bundesverbandes deutscher Banken finden sich neben Berenberg das seit 1674 ununterbrochen im Familienbesitz befindliche Bankhaus Metzler, M.M. Warburg & CO, Hauck  & Aufhäuser Privatbankiers, das zum Oetker-Konzern gehörende Bankhaus Lampe sowie das Bankhaus Max Flessa.

Wurden früher mit dem Geld der exklusiven Finanzhäuser Könige gewählt und Kriege finanziert, steht heute in erster Linie die Rundumbetreuung von betuchten Privatkunden in einer Aura von Gediegenheit, altehrwürdiger Tradition und Diskretion im Fokus. Doch herrschaftliche Gebäude, tiefe Ledersessel, dicke Teppiche und Ölgemälde reichen nicht aus, um die wohlhabende Kundschaft zu binden. „Gerade in Vermögensfragen bedarf es mehr als nur schöner Worte und Bilder. Kunden sollten bei der Wahl Ihres Vertrauenspartners daher auf Stabilität, Nachhaltigkeit und Partnerschaftlichkeit achten“, rät Andreas Hausmann, Abteilungsleiter bei der DZ Privatbank in Zürich.

Zu den wichtigsten Bedürfnissen seiner Klientel zählt Hausmann vor allem Vertrauen und Leistung. An potenziellen Kunden mangelt es der verschwiegenen Branche nicht – zumindest, wenn es nach dem im Juni veröffentlichten jährlichen World Wealth Report der Unternehmensberatung Capgemini geht: Danach stieg die Anzahl der Dollar-Millionäre im vergangenen Jahr hierzulande auf rund 1,14 Millionen Personen. Auf rund 5,5 Billionen Euro dürfte das Geldvermögen privater Haushalte bis zum Jahresende ansteigen, Deutschland ist damit der größte Markt für die Vermögensverwaltung in Europa.

Grenzenloser Service

Zugang zum Private Banking erhalten Kunden nur ab einer gewissen Eintrittsschwelle. Als Untergrenze gilt – wie etwa bei der Berenberg Bank – meist ein frei verfügbares Vermögen von mehr als einer Million Euro. Beim Bankhaus Metzler und bei Sal. Oppenheim liegt die Schwelle deutlich höher. Wer sein Geld beim Bankhaus Lampe oder der zum Sparkassenverbund gehörenden Hamburger Sparkasse (Haspa) anlegen will, muss 500.000 Euro mitbringen. Die Augsburger Fürst Fugger Privatbank offeriert ihre klassische Vermögensverwaltung schon ab 250.000 Euro.

Sogenannte High Net Worth Individuals, die mindestens 30 Millionen Euro ihr Eigen nennen, heuern für sich oder ein paar weitere Familien ein Family Office an, gleichsam die Champions League der Vermögensverwaltung. Ob die Unternehmerdynastie Quandt oder Swarovski, alter oder neuer Geldadel – immer mehr Superreiche setzen auf die Dienste ihres „Büros“. Egal, ob der Kauf einer ganzen Firma, eines Pferdes oder das Beschaffen begehrter Konzerttickets: Rund um die Uhr stehen professionelle Mitarbeiter zur Verfügung, deren Service keine Grenzen kennt. Selbst wenn die Nanny ihr wohlbehütetes Töchterchen nicht aus dem Kindergarten abholen kann, wird für Hilfe gesorgt.

Rund 500 Family Offices soll es heute in Deutschland geben, schätzen Experten. Konkrete Zahlen gibt es nicht, schließlich gründet das Geschäft auf höchster Verschwiegenheit.

Schwerere Zeiten

War das Geschäft früher oft ein Selbstläufer, belasten heute nicht zuletzt die niedrigen Zinsen in Form von sinkenden Zins- und Provisionsmargen. Während es früher Spannen von 0,2 bis 0,25 Prozent gab, sind heute keine 0,08 Prozent mehr zu realisieren, berichten Insider. Weil auch die Provisionsmargen zunehmend unter Druck geraten, reagieren manche Banken mit der Steigerung ihrer Produktivität. „Wenn ein Kundenberater früher im Schnitt 60 Millionen Euro betreut hat, liegen wir heute bei 90 Millionen Euro“, sagte der Vorsitzende der DZ Bank, Stefan Schwab, in einem Interview mit der Börsen-Zeitung.
Der Trend zur Digitalisierung könnte die Erträge der deutschen Privatkundenbanken zusätzlich belasten. In den USA sehen sich manche Private-Banking-Kunden schon Computern gegenüber. „Robo-Advice“ nennt sich der Tribut an die rasante Welt der Digitalisierung. Auf dem Bildschirm klickt der Kunde sich durch die Fragen, die sein persönliches Risikoprofil und seine individuellen Anlagepräferenzen ermitteln.

Daraufhin erstellt der Computer eine fertige, diversifizierte Anlagestrategie. Wenn der Kunde Geld einzahlt oder abzieht oder wenn sich die Situation an den Märk-ten ändert, wird das Portfolio automatisch angepasst. Die französische Beratungsfirma Chappuis Halder & Cie. bezifferte den weltweiten Robo-Advisor-Anteil im Private Banking im September vergangenen Jahres auf 0,02 Prozent – Tendenz steigend.

Auch wenn sich die Privatbanken hierzulande auf ihre Wurzeln besinnen und auf Roboter-Beratung verzichten: Anleger können vom zunehmenden Konkurrenzdruck profitieren. Längst buhlen auch Filialbanken verstärkt um reiche Neukunden. Neben den Platzhirschen wie Deutsche Bank oder Commerzbank mit ihren Private-Banking-Abteilungen haben bereits ein Drittel aller Sparkassen und eine Reihe von Volksbanken das Geschäft mit den Vermögenden entdeckt.

So groß das Angebot an Banken auch ist, eines haben alle Anbieter gemeinsam: Private Banking bedeutet, auf individuelle Bedürfnisse einzugehen, maßgefertigte Anlagestrategien zu entwickeln und diese ständig zu überprüfen. Genau diese Vorteile entdecken immer mehr wohlhabende Bundesbürger.