Wie funktionieren Fonds? Wie kann ich über die gesetzliche Rentenversicherung hinaus für das Alter vorsorgen? Und was ist eigentlich der Zinseszinseffekt? Solche und ähnliche Fragen stellen sich viele Menschen im Laufe ihres Lebens. Oftmals fehlt es ihnen an Informationen und Hintergrundwissen, um diese vermeintlich simplen Fragen beantworten zu können. Zahlreiche Studien zeigen, dass es allgemein um die ökonomische Kompetenz der Deutschen nicht gut bestellt ist. Verwunderlich ist das nicht, denn Wirtschaftsthemen spielen in der Schule kaum eine Rolle.

Dabei leben wir in einer Zeit, in der die globalen Verflechtungen in der Wirtschaft immer enger und komplexer werden. Die Wirtschaftspolitik des US-Präsidenten Donald Trump oder der EU-Austritt Großbritanniens sind zwei aktuelle Beispiele, die Folgen für die deutsche Wirtschaft haben und damit auch den Alltag der Verbraucher beeinflussen werden. Ein Grundverständnis für die Auswirkungen wirtschaftspolitischer Veränderungen auf die eigenen Lebensbereiche ist in diesen Zeiten wichtiger denn je.

Früher an später denken

Auch im Hinblick auf die persönlichen Finanzen ist ökonomische Kompetenz gefragt: Unsere Gesellschaft wird älter, die Geburtenraten sind aber seit Jahrzehnten schwach. Auf eine steigende Zahl von Rentenempfängern kommen also immer weniger Rentenbeitragszahler. Während im Jahr 1960 das Verhältnis noch eins zu fünf war, wird im Jahr 2060 voraussichtlich ein Rentenempfänger nur noch von knapp 1,5 Beitragszahlern finanziert werden. Das Niveau der gesetzlichen Rente wird demnach weiter sinken. Alternativen für einen finanziell abgesicherten Ruhestand müssen her. Doch obwohl sich laut einer aktuellen Umfrage des Bundesverbands deutscher Banken fast acht von zehn Deutschen mit ihrer Altersvorsorge beschäftigen, nimmt das Sparen für das Alter unter den Sparmotiven nur eine untergeordnete Rolle ein. Anders gesagt: Fast jeder weiß, dass er für das Alter vorsorgen muss, die wenigsten gehen dieses Thema aber an.

Angesichts des anhaltenden Zinstiefs ist das langfristige Sparen zudem eine Herausforderung und macht wenig Spaß. Denn Renditen lassen sich mit klassischen Anlageformen wie dem Tagesgeld- oder Festgeldkonto kaum erwirtschaften. Im Gegenteil, der Realzins ist meist negativ und die Ersparnisse verlieren im Laufe der Zeit an Wert. So vermeldete die Deutsche Bundesbank kürzlich, dass die reale Gesamtrendite der privaten Haushalte seit langem unter null gesunken sei. Eine Anlageform, die – historisch betrachtet und bei breiter Streuung – eine positive Rendite bei einem relativ geringen Ausfallrisiko bietet, ist die Aktie. Laut einer Studie des Deutschen Aktieninstituts besaßen 2017 jedoch nur rund zehn Millionen Bürger oder 15,7 Prozent der deutschen Bevölkerung Aktien oder Aktienfonds.

Die Deutschen nutzen die Renditechancen von Aktien und Aktienfonds auch deswegen kaum, weil sie eine große Scheu vor dieser Anlageform haben. Laut dem ERGO Risiko-Report aus dem Jahr 2018 glaubten vier von zehn Befragten, dass sich mit Aktien in den vergangenen zehn Jahren das meiste Geld erwirtschaften ließ. Dennoch dominiert bei der Geldanlage das Sicherheitsbedürfnis der Deutschen: Am Kapitalmarkt investierte nur jeder Vierte der Befragten. Nach ihren finanziellen Ängsten befragt, stand allerdings die Furcht vor Altersarmut an zweiter Stelle. Der Widerspruch ist eklatant.

Wissen als Erfolgsgrundlage

Solides Finanzwissen ist die Grundlage für wegweisende Anlageentscheidungen, die heute entscheidend für Wohlstand und finanzielle Unabhängigkeit im Alter sind. Denn mangelndes Wissen kann nicht nur zu übertriebener Vorsicht führen, sondern auch zu überhöhter Risikobereitschaft. Wer beispielsweise lernt, dass Rendite und Risiko in einem untrennbaren Zusammenhang stehen, ist weniger anfällig für Versprechungen unseriöser Anbieter oder Spekulationen mit hohem Ausfallrisiko. Wer das Prinzip der Risikostreuung kennt und versteht, kann Anlagerisiken besser beherrschen.

Ein wichtiger Startpunkt, um die wirtschaftliche Kompetenz der Deutschen – weit über Fragen der Geldanlage hinaus – zu stärken, ist die Schule. Das Bundesland Baden-Württemberg hat eine Vorreiterrolle eingenommen und zum Schuljahr 2016/2017 das Pflichtschulfach „Wirtschaft/Berufs- und Studienorientierung“ ab der Sekundarstufe I eingeführt. Dadurch werden Wirtschaftswissen und Berufsorientierung nachhaltig in der schulischen Bildung verankert. Ein eigenständiges Fach ist flächendeckend notwendig – im Interesse unserer Gesellschaft. Nur so kann allen Menschen gleichermaßen der Zugang zu ökonomischer Bildung ermöglicht und Chancengleichheit geschaffen werden.