Als der Nachrichtendienst WhatsApp im August dieses Jahres seine Nutzungsbedingungen änderte, war der Aufschrei der Datenschützer kurzzeitig wieder einmal groß. Der Messenger-Dienst sollte seine Daten mit seinem Mutterkonzern Facebook teilen. Ende September verbat Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar schließlich die Weitergabe der Daten. Facebook kündigte an, Widerspruch gegen das Verbot einzulegen. Denn durch die verstärkte Nutzung der Userdaten soll sich der Messenger-Dienst in den nächsten Jahren gar zum Gewinnturbo für Facebook entwickeln.

Als sich Facebook die Übernahme von WhatsApp im Oktober 2014 sage und schreibe 22 Mrd. US-Dollar kosten ließ, rieben sich viele Marktteilnehmer angesichts der astronomisch anmutenden Summe verwundert die Augen. Facebook kündigte damals an, die Monetarisierung des Dienstes erst dann auf die Agenda zu nehmen, wenn WhatsApp die Marke von 1 Mrd. Usern erreicht. Dieses Ziel hat man inzwischen geschafft, mittelfristig dürften die Userzahlen sogar noch weiter explodieren. Bis Ende des vergangenen Jahres war der Dienst je nach Account mit 1 US-Dollar pro Jahr kostenpflichtig, was dem Unternehmen zwar einen netten Cashflow bescherte, das weitere Nutzerwachstum aber einschränkte. Vor allem in den Entwicklungs- und Schwellenländern, in denen die Penetration von EC- oder Kreditkarten deutlich unterhalb des europäischen oder amerikanischen Niveaus liegt, konnten Smartphone-Besitzer die App ohne entsprechende Zahlungsmöglichkeiten nicht langfristig nutzen. Mit dem Wegfall der Gebühr seit Jahresbeginn dürfte die Zahl der User in diesen Ländern nun rasant zunehmen.

Umsätze wird WhatsApp künftig vor allem mit Unternehmen erzielen und dürfte dabei auf eine ähnliche Strategie setzen, wie sie von der chinesischen Tencent und deren WeChat-Dienst bereits umgesetzt wird. WeChat wurde 2011 in China eingeführt, blickt auf rund 700 Mio. User und hat in jüngerer Vergangenheit zahlreiche Features integriert: dazu zählen traditionelle In-App-Werbung, virtuelle Güter, Bezahlservices, Buchungsportale oder Shoppingangebote. Im Rahmen der Entwicklerkonferenz F8 in San Francisco kündigte Facebook unlängst bereits an, seine Messenger-Dienste für Drittanbieter zu öffnen. Zu den „Early Launch“-Partnern zählen bereits Unternehmen aus dem E-Commerce wie Walmart oder 1800Flowers, Newsanbieter oder Support-Dienstleister. Ähnliche Programme dürften auch für die übrigen Facebook-Ableger wie bspw. Instagram mit seinen mehr als 430 Mio. Usern oder die neue Virtual-Reality-Sparte folgen.

Damit startet Facebook nun ausgerechnet im Bereich der mobilen Anwendungen den Turbo – jenem Bereich also, bei dem Kritiker der Aktie zunächst die größte Schwachstelle gesehen haben. Nach dem Börsengang 2012 stand die Aktie zunächst unter Druck, nachdem das Unternehmen mit dem Übertrag des erfolgreichen Geschäftsmodells auf seine mobile Plattform anfangs Probleme hatte. Inzwischen ist die Facebook-Aktie eine der erfolgreichsten Börsenstorys der vergangenen Jahre, der Aktienkurs konnte sich in den zurückliegenden vier Jahren mehr als versechsfachen und erst in diesem September mit Kursen oberhalb von 130 US-Dollar ein neues Allzeithoch erreichen. An der Börse wird Facebook inzwischen mit mehr als 290 Mrd. US-Dollar bewertet – eine mehr als imposante Entwicklung des im Jahr 2004 ursprünglich für Studenten konzipierten Netzwerks.

Heute zählt das Facebook-Universum insgesamt mehr als 3 Mrd. registrierte Nutzer, was fast der Hälfte der Weltbevölkerung entspricht, die zum Jahreswechsel bei rund 7,4 Mrd. Menschen lag. In den kommenden 30 Jahren werden Schätzungen der Vereinten Nationen zufolge weitere 2 Mrd. Menschen hinzukommen. Die Social-Network-Plattform Facebook ist die Cash-Cow des Konzerns, die derzeit noch praktisch die kompletten Unternehmensgewinne erwirtschaftet. In den zurückliegenden 12 Monaten ist die Zahl der aktiven User auf 1,7 Mrd. geklettert, von denen 66 Prozent sich mindestens einmal täglich in das Netzwerk einloggen. Die Zahl der Kunden, die Facebook täglich über ein Mobilgerät nutzen, übersprang zuletzt die Milliardengrenze.

Mit den jüngsten Zahlen zum zweiten Quartal konnte Facebook die Markterwartungen erneut weit hinter sich lassen. Zwischen April und Juni steigerte man seine Umsätze im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 59 Prozent auf 6,43 Mrd. US-Dollar, der Nettogewinn konnte sich dabei von 715 Mio. US-Dollar auf 2,05 Mrd. US-Dollar fast verdreifachen. Beeindruckende Zahlen – und doch könnte das Geldverdienen bei Facebook künftig erst so richtig losgehen, wenn auch die übrigen Unternehmensbereiche wie WhatsApp nach und nach monetarisiert werden.