400 Milliarden Tassen Kaffee werden Jahr für Jahr auf der Welt getrunken. Grund genug, in diesem Jahr erstmals den 1. Oktober als internationalen Tag des Kaffees auszurufen. Hierzulande ist der braun-schwarze Trank nicht nur beliebter als Wasser und Bier. Einer vom Deutschen Kaffeeverband in Auftrag gegebenen Studie zufolge würden 57 Prozent der Deutschen lieber eine Woche auf Sex verzichten als auf ihren geliebten Kaffee. 149 Liter konsumiert jeder Deutsche im Schnitt pro Jahr, 86 Prozent aller Erwachsenen schlürfen mindestens einmal täglich eine Tasse.

Ein Knopfdruck, und frischer Espresso, Latte macchiato oder Cappuccino mit cremigem Milchschaum fließen in die Tasse. Kaffeevollautomaten zählen in vielen Küchen mittlerweile zur Standardausstattung. Entwickelt wurden sie in den späten 1970er Jahren, als ein Schweizer Ingenieur die Idee hatte, das Prinzip einer Espressomaschine auf die Zubereitung von Filterkaffee zu übertragen. Mitte der 1980er kam schließlich der erste Vollautomat auf den Markt.

Wer sich heute einen Vollautomaten zulegen möchte, hat die Qual der Wahl: Eine ganze Reihe von Anbietern wartet mit hunderten verschiedener Modelle auf. Grundsätzlich gilt: Je genauer der Allrounder Mengen, Druck und Temperatur einhalten kann, umso besser das Ergebnis. Schließlich sollen beispielsweise für einen guten Espresso möglichst aus 6 bis 8 Gramm fein gemahlenem Kaffeepulver bei 9 bar Druck und einer Wassertemperatur von 89 bis 95 Grad Celsius innerhalb von rund 25 Sekunden 20 bis 30 Milliliter der köstlichen Kreszenz extrahiert werden.

Alleskönner unter der Lupe

Die Wassermenge wirkt sich vor allem auf Menge und Textur der Crema aus. „In der Werkseinstellung brühen fast alle Geräte Espresso mit 40 Millilitern“, hat die Stiftung Warentest im Rahmen ihres Tests von Vollautomaten festgestellt.

Sinnvoll ist neben einem hochwertigen Mahlwerk aus Keramik eine entnehmbare Brühgruppe, da sie sich besser als eine fest verbaute Einheit reinigen lässt. Besonders beliebte Vollautomaten beim Onlinehändler Amazon sind der DeLonghi ESAM 3000B (ab 280 Euro), der Saeco HD8769/01 Moltio, der ab 530 Euro zu haben ist, und der DeLonghi ECAM 22.110B (ab 320 Euro).

Die Stiftung Warentest hat zehn Alleskönner unter die Lupe genommen und sieht die Saeco Moltio HD8769 sowie DeLonghi Autentica Cappuccino ETAM 29.660.SB (rund 680 Euro) an der Spitze. Die Saeco Moltio zeigte sich „sehr belastbar und bereitet äußerst zuverlässig viele Getränke am Tag zu“, während die DeLonghi „guten, im Vergleich starken Espresso“ brühte. Knapp dahinter landet die „schnelle und leise“ Bosch VeroSelection (ab 750 Euro).

Fünf M der Zubereitung

Puristen verzichten auf die vollautomatische Rundumbetreuung und zelebrieren die Zubereitung mit Siebträger-Maschinen, bei denen die manuelle Zubereitung eines perfekten Espresso im Vordergrund steht. So wird das Kaffeepulver von Hand in den herausnehmbaren Siebträger eingefüllt und mit einem sogenannten Tamper festgedrückt.

Es gibt eine ganze Reihe von Parametern, die ein Hobby-Barista bei der Zubereitung berücksichtigen muss. Dazu gehören neben Bohnensorte, Mahlgrad, Festigkeit beim „Tampern“ und Brühdruck auch die Temperatur und Wassermenge. Laut Erwin Rückerl, zertifizierter Barista und Besitzer des Hofguts Hafnerleiten im niederbayerischen Bad Birnbach, sind „fünf M“ für die Kaffeezubereitung ausschlaggebend: Mensch, Maschine, Mühle, Mischung und Milch.

Einmal im Monat führt der ehemalige bayerische Barista-Vizemeister seine Gäste in die Geheimnisse des Espresso und Cappuccino ein und beantwortet die wichtigsten Fragen: Welche Kaffeesorte ist für Espresso geeignet, welche für Cappuccino, wie unterscheidet sich die Zubereitung, wie schnell verlieren die Bohnen ihr Aroma – und schließlich: wie und mit welcher Maschine schäume ich die Milch für den Cappuccino richtig auf oder zaubere Herzen oder Bäumchen auf den festen Schaum?

Stählerne Designstücke

Das A und O ist indes die Wahl der richtigen Maschine. Gut verarbeitete und robuste Geräte von Anbietern wie ECM, Saeco, DeLonghi, La Pavoni, Vibiemme, Lelit oder Olympia kosten ab rund 800 Euro. Nach oben gibt es keine Preisgrenzen. Anspruchsvolle Espresso-Aficionados leisten sich Maschinen mit zwei Heizkreisen. Die sorgen dafür, dass neben dem Brühdruck für die Espressobereitung auch genügend Dampf fürs Aufschäumen von Milch ohne Wartezeit zur Verfügung steht.

Für hochwertige Vertreter dieser als Dual-Boiler bezeichneten Geräte können Hobby-Baristas auch 5.000 Euro und darüber einplanen. Neben der eigentlichen Siebträgermaschine hat die verwendete Kaffeemühle einen großen Einfluss aufs Ergebnis. Für ein besonders gutes Geschmackserlebnis sollten die Kaffeebohnen immer nur portionsweise gemahlen werden. Bleibt die Wahl der Kaffeeart und Röstung: Grundsätzlich enthalten Robusta-Bohnen mehr Koffein als Arabica und schmecken daher kräftiger. Gleichzeitig sorgt ihr höherer Fettanteil für mehr Crema.

Den perfekten Espresso zu brauen erfordert viel Übung. Doch selbst wer den Dreh noch nicht ganz raus hat, wird mit Geschmackserlebnissen belohnt, die manches Kaffeehaus übertreffen – und darf sich nebenbei am Anblick der stählernen Designstücke ergötzen.