Als Betreiber der B2B-Handelsplattform alibaba.com, des Online-Auktionshauses taobao.com und des Bezahlsystems Alipay gehören Superlative bei Alibaba zum Geschäft.

Nur rund zwei Monate nach dem Rekordbörsengang, bei dem die Chinesen mit Einnahmen von 25 Milliarden Dollar das teuerste Marktdebüt aller Zeiten aufs Parkett legten, versetzten sie die Wall Street abermals in Partylaune. Mit dem Verkauf von Anleihen sammelte der Online-Riese im vergangenen November weitere 8 Milliarden Dollar ein. Die Nachfrage erreichte nach Angaben der Nachrichtenagentur Bloomberg mindestens 57 Milliarden Dollar. Damit war das Anleihe-Paket mehr als siebenfach überzeichnet.

Ebenfalls rekordverdächtig: Alibabas Marktanteil am 300 Milliarden Dollar schweren Internethandel in China liegt bei 80 Prozent. Vor diesem Hintergrund verwundert kaum, dass die Gesellschaft des schillernden Gründers Jack Ma rasant wächst: Zwischen Juli und September vergangenen Jahres schnellte der Umsatz gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 54 Prozent auf 2,7 Milliarden Dollar nach oben. Dabei nahm allein das Geschäft mit mobilen Geräten wie Smartphones um rund das Zehnfache auf 606 Millionen Dollar zu.

Den größten Tagesumsatz erzielte der Web-Gigant am 11. November, dem sogenannten „Single’s Day“, der 2009 als Sonderrabatt-Tag ins Leben gerufen wurde. Dabei gelang es, binnen eines einzigen Tages einen Umsatz von 9,3 Milliarden Dollar abzuwickeln – 60 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.

Profitabler als die US-Konkurrenz

Der Gewinn gab unterdessen wegen hoher Vergütungszahlungen deutlich nach. Der Konzern verdiente im dritten Quartal vergangenen Jahres deutlich weniger als im Vorjahr. Der Gewinn sank um 39 Prozent auf knapp eine halbe Milliarde Dollar. Als Grund nannte Alibaba nicht zuletzt aktienbasierte Vergütungsleistungen, die vor dem Börsengang verteilt wurden, um die Belegschaft bei Laune zu halten.

Gemessen am Börsenwert hat die Gesellschaft ihre amerikanischen Wettbewerber Amazon und Ebay längst hinter sich gelassen. Zudem ist Alibaba dank der Kombination von Anzei-
generlösen und Verkaufskommissionen profitabler als die US-Konkurrenz. Dazu trägt bei, dass man keine Produkte selbst verkauft, wie dies etwa Amazon tut. Der größte Teil der Einnahmen stammt vielmehr aus den Zahlungen von Einzelhändlern, die ihre Verkäufe über die Handelsplattformen Taobao und Tmall sowie die B2B-Plattform alibaba.com abwickeln. Alibaba begrenzt auch seine Vertriebskosten, indem man die Logistik zum größten Teil auslagert, und steigert damit die Gewinnmarge. So landen zwischen 45 bis 50 Prozent der Umsätze als Gewinn in der Unternehmenskasse.

Auf Taobao bieten Privatleute rund 800 Millionen Produkte aus allen Bereichen an. Diese Plattform wird daher oft mit dem US-Pendant Ebay verglichen – mit dem Unterschied, dass die Chinesen die Produkte, anders als die Amerikaner, nicht versteigern, sondern zum Festpreis verkaufen. Tmall wiederum ist Alibabas Gegenentwurf zum US-Online-Warenhaus Amazon. Internationale Marken wie Samsung, Philips oder Reebok nutzen diese Plattform mit eigenen Online-Läden als offiziellen Vertriebskanal. Euromonitor, ein Beratungsunternehmen für Konsummärkte, sagt voraus, dass Tmall in diesem Jahr mehr Handelsumsätze als Amazon erwirtschaften wird. Hinter Alipay schließlich verbirgt sich ein Bezahlsystem, das oft mit Paypal verglichen wird. Im Unterschied zum amerikanischen Wettbewerber, der im Laufe dieses Jahres als Abspaltung von Ebay an die Börse kommen soll, erhalten die Verkäufer ihr Geld allerdings erst dann, wenn die Käufer ihre Zufriedenheit mit dem Produkt bestätigt haben. Jede zweite Transaktion im chinesischen Internet wird inzwischen über Alipay abgewickelt.

Schwergewicht an der Börse

Oliver Samwer, Chef der seit vergangenem Herbst an der Börse Frankfurt notierten Internet-Plattform Rocket Internet, vergleicht sich gern mit Alibaba und verweist auf den aggressiven Aufstieg beider Unternehmen, der sie zu Marktführern in ihren Geschäftsfeldern gemacht hat. Der Marktwert klafft indes weit auseinander: Bringen die Asiaten umgerechnet 220 Milliarden Euro auf die Börsenwaage, kommt Rocket Internet nur auf knapp über 7 Milliarden Euro.

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