Dann drohten sie, von Weltkonjunkturlokomotiven zu Tenderwagen degradiert zu werden, was konjunktursensitiven und Exportaktien nicht zugutekäme.

Haben wir 2015 Deflation in der Eurozone? Kommt über Griechenland die Euro-Krise zurück? Und wer rettet uns vor der Eurosklerose, wenn ausgerechnet Euro-Krisen-Terminator Mario Draghi – so ein Gerücht – als EZB-Präsident das Handtuch wirft und 2015 das vakante Amt des italienischen Staatspräsidenten übernimmt? Ist die US-Leitzinswende der Anfang vom Ende der Liquiditätshausse an den Aktienmärkten? Steigt die US-Währung daraufhin noch weiter, würde sich der Schuldendienst der in Dollar verschuldeten Schwellenländer noch mehr verteuern.

Wie sollen Anleger denn in dieser Unruhe warme Gefühle für das nächste Börsenjahr entwickeln? Selbst Hühner legen keine Eier, wenn sie keine Ruhe finden.

Was sind die frohen Botschaften für die Kapitalmärkte?

Ein schwacher Euro und vergleichsweise günstige Ölpreise werden 2015 die Gewinnmargen der Exportunternehmen und die Kaufkraft der Konsumenten heben.

Außerdem, warum sollte US-Notenbankchefin Yellen das nächste Jahr mit einer brutalen Zinserhöhungspolitik zu einem annus horribilis für die Welt(finanz)wirtschaft machen? Die Kollateralschäden früherer US-Zinserhöhungs-Manien, die Asien-Krise und die Immobilienpleite, bekamen auch Amerika nicht gut. Geht sie „zinsdiplomatisch“ vor, ist die Aufwertung des US-Dollars begrenzt, was den Ölpreis – beide entwickeln sich gegenläufig – stützt. So werden die Öl exportierenden Länder doppelt entlastet.

Frau Yellen kennt ihre Verantwortung für die Welt, denn sie ist die mächtigste Frau der Welt. Und was Janet Yellen sozusagen als Mutti für die Welt ist, ist Mario Draghi als Vati für die Eurozone. Denn während in den USA nur während der Weihnachtszeit „Let it snow“ erklingt, wird man von Draghi 2015 ganzjährig „Let it flow“ hören: Denn mit seinen Staatsanleihenkäufen auch in Griechenland wird eine erneute Euro-Krise vereitelt und eindeutig eine Politik nach dem Motto „Aufschwung hui und Abschwung pfui“ betrieben. Wer will sich da mit dem langweiligen Amt des italienischen Staatspräsidenten begnügen?

Und was passiert 2015?

Ich glaube an neue Höchststände beim DAX®. Die Krisen und ihre Bewältigung werden uns zwar deutlich höhere Kursschwankungsbreiten bescheren, aber den Aktien-
märkten auch gute Trading-Möglichkeiten. Volatilität kann man übrigens gut mit regelmäßigen Ansparplänen begegnen: Geht es nach oben, sind Sie reicher. Geht es nach unten, erhalten Sie mehr Aktienanteile für Ihr Geld.

Ein großes Thema wird 2015 die Dividendenstrategie sein. Denn viele ausschüttungsstarke Aktien sind Ersatzbefriedigungen zu mickrig bleibenden Renditen im Zinsvermögen.

Liebe Anlegerinnen und liebe Anleger, halten Sie 2015 durch und bleiben sie den Aktien treu. Glück auf!