Yahoo ist der Dinosaurier unter den Internet-Unternehmen. Im März 1995 ging der einstige Internetgigant offiziell an den Start, damals noch als Webkatalog mit dem Ziel, die Seiten online zu verschlagworten und zu ordnen. Ein Jahr später folgte mit 46 Angestellten der Börsengang. 2009 arbeiteten insgesamt rund 13.500 Mitarbeiter für Yahoo.

Anders als Lycos, Excite oder Altavista – damals ebenso führende Web-Portale – gibt es Yahoo bis heute. Doch die Gesellschaft muss längst hart kämpfen, seit dem Platzen der Dotcom-Blase befindet sich Yahoo auf Sinnsuche. Frischen Wind in die Aktie brachte der Antritt von Marissa Mayer im Sommer 2012. Die Stanford-Absolventin zählt zu den schillernden Persönlichkeiten der Web-Welt. Bevor sie zu Yahoo stieß, bestimmte sie als Vice President bei Google das Design der Hauptseite und war maßgeblich an der Gestaltung von Google News und Gmail beteiligt. Damit war sie für die wichtigsten neuen Produkte des Suchmaschinen-Riesen zuständig, so dass die Los Angeles Times attestierte, wohl kein anderer Mensch habe so viel Einfluss darauf, wie Menschen das Internet erleben. Sie wurde 2008 vom US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin Fortune als jüngste Frau zu den 50 mächtigsten Frauen weltweit gezählt. Newsweek rechnete sie 2009 zu den „10 Tech Leaders of the future“.

Als sie ihre Stelle als Chefin bei Yahoo antrat, gab sie noch am selben Tag ihre Schwangerschaft bekannt. Ihre Dienste waren Yahoo allein im ersten halben Jahr ihrer Amtszeit fast 37 Millionen Dollar wert. Nicht nur deshalb war es für Mayer ein Einstand nach Maß. Der Aktienkurs kletterte innerhalb von 30 Monaten von knapp 13 auf über 43 Dollar.

Wertvolle Beteiligung

Der Höhenflug war indes weniger der attraktiven Informatikerin zu verdanken als vielmehr der Beteiligung am chinesischen E-Commerce-Konzern Alibaba (s. Börse Frankfurt Magazin, Ausgabe 01/2015). 2005 erwarb Yahoo unter dem damaligen Vorstandschef Terry Semel für 1 Milliarde Dollar einen Anteil von 40 Prozent an Alibaba. Ein Schnäppchen, wie sich später herausstellen sollte: Im Herbst 2014 erlöste der Amazon-Rivale aus dem Reich der Mitte an der New York Stock Exchange beim größten Börsengang aller Zeiten 25 Milliarden Dollar.

Die exorbitante Steigerung des Börsenwerts wurde von einer beeindruckenden Wachstumsstory begleitet: Setzte das Internetversandhaus beim Einstieg von Yahoo noch 50 Millionen Dollar pro Jahr um, waren es allein im letzten Quartal des vergangenen Jahres 5,2 Milliarden Dollar. Yahoo verkaufte beim Alibaba-Börsengang mehr als 120 Millionen Aktien – angesichts des Emissionspreises von 68 Dollar spülte der lukrative Deal mehr als 8 Milliarden Dollar in die Kasse des Unternehmens aus dem kalifornischen Sunnyvale.

Heute besitzt Yahoo noch einen Anteil von 15 Prozent an Alibaba im Wert von 25 Milliarden Dollar. Dieser Betrag entspricht fast der gesamten Yahoo-Marktkapitalisierung – und zeigt, dass das Kerngeschäft des Internetkonzerns kriselt. Mit anderen Worten: Auch die mit vielen Vorschusslorbeeren bedachte Marissa Mayer fand keine Antwort auf die zentrale Frage, an der schon ihre Vorgänger scheiterten: Wie lässt sich die Reichweite von rund 700 Millionen Nutzern in ein profitables Geschäft ummünzen?

Trend zeigt nach Süden

Während Wettbewerber wie Google und Facebook rasant wuchsen, schrumpften die Umsätze von Yahoo. Der Marktanteil an den US-Suchmaschinen betrug im vergangenen Jahr lediglich gut 8 Prozent. Zum Vergleich: Die 2009 gestartete Suchmaschine Bing aus dem Hause Microsoft kam auf 11,3 Prozent, während Platzhirsch Google die Konkurrenten mit 78,2 Prozent weit in den Schatten stellte. In Deutschland nutzten nicht einmal 2 Prozent der Internetgemeinde die Dienste von Yahoo.

Der kriselnde Onlinepionier kündigte anlässlich der Präsentation seiner Quartalszahlen Anfang Februar an, seine Produktpalette zu verkleinern, Immobilien und Patente zu verkaufen sowie den Schwerpunkt künftig verstärkt auf Suchanfragen über Mobiltelefone und ähnliche Geräte zu legen. Sieben von elf unter der Ägide von Mayer kostspielig aufgesetzten Digital-Magazinen sollen verschwinden.

Zudem soll jeder sechste der aktuell rund 11.000 Arbeitsplätze gestrichen werden. Der Abbau soll 400 Millionen Dollar pro Jahr sparen, hofft man am Firmensitz in Sunnyvale. Laut der Nachrichtenagentur Reuters hat der Time-Verlag das Kerngeschäft (Portal mit 700 Mio. Nutzern) des schwächelnden Internetpioniers im Visier. Marktbeobachtern zufolge hat dieser Unternehmensteil einen Wert von 6 bis 8 Milliarden Dollar. Das „Wall Street Journal“ wiederum berichtete Anfang Februar vom Interesse des Telekom-Riesen Verizon und des Medienkonzerns News Corp. an Teilen von Yahoo.

Yahoo selbst lotet derzeit die eigene Zerschlagung aus und stellt sich faktisch zum Verkauf. Demnach soll das Internet-Kerngeschäft in eine neue Firma ausgelagert werden. Yahoo-Finanzchef Ken Goldman möchte diese Angelegenheit noch im Laufe dieses Jahres geklärt wissen. Am milliardenschweren Anteil am chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba will man hingegen weiter festhalten.