Wenn es um die Frage geht, welche deutsche Stadt die höchste Lebensqualität bietet, nennen wenige Frankfurt. Zu sehr wird die Stadt mit Finanzen, Business, Leistung, aber auch Fluglärm und fälschlicherweise immer noch mit hoher Kriminalität in Verbindung gebracht. Frankfurt bietet interessante berufliche Möglichkeiten und Zukunftsaussichten, doch viele haben den Lebensmittelpunkt woanders. Wir möchten eine Lanze für die Mainmetropole brechen.

Unterhält man sich in Frankfurt mit Menschen bei der Arbeit oder abends in der Kneipe, bekommt man den Eindruck, dass es in Frankfurt kaum Frankfurter gibt. Jeder kommt irgendwoher und ist meist wegen des Jobs hier. Viel lieber möchte man aber in München leben, denn da sind die Berge und Italien so nah. Oder lieber in Hamburg wohnen, weil man das Flair mag, man schnell an der See ist. Oder doch lieber Berliner Luft schnuppern, weil einem da so viel geboten wird und es dadurch nie langweilig wird. Nach Frankfurt kommt man Montag morgens, arbeitet bis Freitag abends, und dann nichts wie auf die Autobahn oder in den ICE und raus. Am Wochenende ist ja hier eh nichts los.

Das Wandern …

In Frankfurt ist man mit diesem Hobby genau richtig. Mit dem Auto Richtung Nordwesten gefahren oder doch lieber mit der S-Bahn nach Oberursel oder Kronberg ist man in weniger als 30 Minuten im Taunus. Unzählige Wanderwege mit unterschiedlichsten Längen und Schwierigkeitsgraden warten auf die lauflustigen Großstadtbeine. Großer Feldberg, Kleiner Feldberg und Altkönig können natürlich nicht mit den Gipfeln der Voralpenregion mithalten, aber wenn man nach einer Woche in der Stadt einfach nur Natur um sich herum haben möchte, ist der Naturpark Taunus mit seinen 135.000 Hektar ideal. Und was für Wanderer gilt, gilt für Radfahrer allemal, egal ob mit dem Mountainbike über Stock und Stein oder eine Gipfeltour mit dem Rennrad.

Für historisch interessierte Wanderer bietet sich der Limeserlebnispfad an. Er bewegt sich entlang des Limes, der 200 Jahre lang die Außengrenze des Römischen Reiches markierte. Das Saalburg-Museum als einziges rekonstruiertes Limeskastell ist nur eine der vielen Attraktionen.

Für eine Wanderung mit Kindern empfiehlt es sich, den Philosophenweg aus Kronberg Richtung Königstein zu beschreiten. Man läuft durch satten grünen Laubwald, bis auf einmal auf der rechten Seite Giraffen auftauchen. Solange man auf dem Philosophenweg bleibt, ist das Betrachten von Kängurus, Geparden, Elefanten, Affen oder Trampeltieren völlig kostenlos. Man befindet sich nämlich mitten im Opel-Zoo. Nur wenn man den Weg verlässt, wird der Besuch kostenpflichtig.

Edle Tropfen

Wer beim Wandern – um beim Thema zu bleiben – gern ein Ziel vor Augen hat, auf das er sich kulinarisch freuen kann, dem sei der Rheingau empfohlen. In etwa 45 Minuten mit dem Auto oder auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen, erstreckt sich auf 3.000 Hektar eine der bedeutendsten Weinregionen Deutschlands. Aber nicht nur die zahlreichen Wanderwege um und durch die Weinberge begeistern, auch Weinfeste, Burgen, Schlösser und Klöster mit zum Teil jahrhundertealter Geschichte sind ein wunderbares Ausflugsziel.

Nicht zuletzt lohnen allein die wunderbaren Rieslinge eine Reise. Renommierte Weingüter von Robert Weil, die Staatsweingüter Kloster Eberbach oder Balthasar Ress, um nur ein paar große Namen zu nennen, aber auch unzählige kleinere, doch nicht minder feine Winzer erfreuen Weinliebhaber mit ihren Kreationen. Weinproben, geführte Weinwanderungen, Kunstausstellungen, Musikveranstaltungen – die Winzer verstehen es, ihre Produkte zu zelebrieren und die Menschen zu begeistern. Besondere Highlights im Rheingau sind die zweimal im Jahr im Kloster Eberbach in Eltville stattfindenden Weinversteigerungen sowie das Rheingau Musik Festival und das Rheingau Gourmet Festival, bei denen Freunde der Kultur und der Haute Cuisine auf ihre Kosten kommen.

Warum in die Ferne schweifen?

Wer nicht erst 30 bis 45 Minuten aus der Stadt rausfahren möchte, um dem Großstadttrubel zu entfliehen, der bleibt am besten in der Stadt und begibt sich in den nördlichen Stadtteil Niedererlenbach, genauer gesagt zum Obsthof am Steinberg. Als wäre man auf dem Land, erstrecken sich hier Obstwiesen, in denen man einen leckeren Flammkuchen und einen kühlen sauer Gespritzten genießen und die Seele baumeln lassen kann. Und bevor man wieder heimfährt, nimmt man am besten je nach Jahreszeit noch ein paar Kilo frisches Obst mit, natürlich selbst gepflückt. Oder lieber einen wirklich frisch gepressten Apfelsaft?

Der Obsthof am Steinberg ist nur ein Beispiel für die vielen kleinen Perlen, die man entdeckt, wenn man bereit ist, Frankfurt besser kennenzulernen. Dazu muss man sich aber auf die Stadt einlassen und sie nicht nur als notwendiges Übel beim Geld verdienen sehen.