Spätestens seit er das Internetbezahlsystem PayPal entwickelte und dann für 1,5 Milliarden Dollar an Ebay verkaufte, gilt Elon Musk als Hightech-Guru. Bescheidenheit ist seine Sache nicht: Mit seinem Raumfahrtunternehmen Space X will Mister 100.000 Volt dereinst Menschen mit einer Schwerlastrakete auf den Mars bringen. Hyperloop wiederum soll die US-Metropolen Los Angeles und San Francisco binnen 35 Minuten verbinden. Seine Elektroauto-Marke Tesla Motors schließlich soll die mobile Welt revolutionieren. „Die Leute werden in einigen Jahren auf Benzinmotoren zurückblicken so wie wir heute auf Dampfmaschinen und sagen: Es war eine gute Zeit, aber sie ist vorbei“, ist der Selfmade-Milliardär sicher. Um seiner Vision einen Schub zu versetzen, gab Tesla im Juni 2014 unter seiner Führung die eigenen Patente frei.

Ehrgeizige Prognosen

Zunächst belächelt, werden die Elektro-Sportwagen mittlerweile bewundert und selbst von etablierten Autobauern gefürchtet. Dabei hat Daimler mit Tesla bereits gut verdient. Mitte Oktober vergangenen Jahres verkauften die Schwaben ihre Beteiligung am Elektroautopionier Tesla für 780 Millionen Dollar. Beim Einstieg vor gut fünf Jahren hatte man gerade einmal 50 Millionen dafür gezahlt.

Noch sind die Produktionszahlen gering. Zwischen Juli und September vergangenen Jahres lieferte Tesla mit 7785 Wagen so viel aus wie nie zuvor in der noch jungen Unternehmensgeschichte. Die Preise beginnen ab rund 68.000 Euro für die „Model S“-Variante mit 60-kWh-Batterie, die den Wagen 345 Kilometer weit bringt und eine Motorleistung von 285 Kilowatt, umgerechnet 387 PS, bereitstellt. Das Top-Modell P85D schlägt mit 101.200 Euro in der Basisversion zu Buche. Dafür spurtet es in 3,4 Sekunden an die 100-Stundenkilometer-Marke und zieht seine Leistung aus zwei Motoren à 350 und 165 Kilowatt. Tesla garantiert beim ‚Model S’ acht Jahre oder über 200.000 Kilometer lang die Funktionstüchtigkeit von Batterie und Antriebseinheit.

Den Umsatz konnten die Kalifornier im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 55 Prozent auf 932 Millionen Dollar steigern, während der Gewinn mit 3 Millionen Dollar höher ausfiel als an der Wall Street erwartet. Die Aktie ist zum Jahresende unter Druck gekommen. Als Grund wird der stark zurückgegangene Ölpreis genannt. Einer der Gründe, der für Elektroautos spricht, sind die niedrigeren Betriebskosten im Vergleich zu herkömmlichen Motoren. Die Absatzzahlen gehen aber keineswegs zurück. Eine Verlangsamung dürfte Elon Musk sogar zu Pass kommen, musste er doch neulich einräumen, dass Tesla mit der Produktion nicht hinterherkommt und die Entwicklung des neuen Modells X dem Zeitplan hinterherhinkt.

Neue Modellreihe mit Flügeltüren

Im laufenden Jahr will der erfolgsverwöhnte Elon Musk deutlich mehr sehen: 100.000 Tesla-Fahrzeuge sollen von den Bändern rollen und ausgeliefert werden – dabei soll jeweils die Hälfte auf den Sportflitzer „Model S“ und die neue Familienkutsche ‚Model X’ entfallen. Läuft alles nach Plan, soll nämlich im Spätherbst mit dem neuen Premium-Crossover-Modell ein Geländewagen mit Flügeltüren und Elektroantrieb die Produktpalette erweitern. Der Großraum-Stromer bietet Platz für sieben Passagiere in drei Reihen und wartet mit gleich zwei Kofferräumen auf, weil der Platz unter der Motorhaube frei bleibt.

Der Einstiegspreis dürfte vermutlich bei 80.000 Euro liegen. Wer das Auto jetzt bestellt, muss schon bis 2016 warten. Ordentlich Power zeichnet auch diese Modellreihe aus: Die Performance-Variante beschleunigt den Wagen laut Tesla in weniger als fünf Sekunden von 0 auf 100 Stundenkilometer.

Auf eine halbe Million Autos will Firmenchef Musk den Absatz in den Folgejahren steigern. Tesla wird dann, so Musk, „zu den großen Autoherstellern gehören“. Beitragen soll dazu ein Volumenmodell, das rund 20 Prozent kleiner sein und auf einer gänzlich neu entwickelten Plattform stehen soll. Es soll markant günstiger angeboten werden als die bisherigen Fahrzeuge. Insider sprechen von einer Halbierung des Preises, was den Einstieg in die Tesla-Welt für weniger als 40.000 Euro ermöglichen würde, und gehen von einem Marktstart im Jahr 2017 aus.

Voraussetzung für die Herstellung derartiger Stückzahlen ist allerdings jene Batteriefabrik, die Elon Musk ganz unbescheiden „Gigafactory“ nennt. Sie soll rund 5 Milliarden Dollar kosten und bis zum Jahr 2020 mehr Lithium-Ionen-Akkus produzieren als in allen heutigen Firmen zusammen. Von diesen Kosten wird Tesla etwa 40-50 Prozent übernehmen. Die japanische Panasonic liefert bereits jetzt Batterien an Tesla und ist mit 30-40 Prozent beteiligt.