Herr Müller, Sie sind Gastgeber aus Leidenschaft! Was hat Sie dazu bewogen, in die Hotel-Branche einzusteigen?

Ich wollte die „Welt“ entdecken und meinen Horizont erweitern. Dort arbeiten, wo andere Urlaub machen. Außerdem hat mir die Arbeit mit Menschen Spaß gemacht. Die Hotellerie bietet all diese unzähligen Möglichkeiten.

Sie haben eine klassische Hotellaufbahn absolviert: Ausbildung zum Hotelfachmann, verschiedene Stationen im In- und Ausland, und als Krönung der Bachelor-Abschluss an der Hotelfachschule in Heidelberg. Was waren Ihre spannendsten Erlebnisse, und gibt es etwas, was Sie heute anders machen würden?

Die spannendsten Erlebnisse waren immer die großen, „außergewöhnlichen“ Events mit großen Um- und Aufbauten wie z. B. Automobilpräsentationen, das 25-jährige Jubiläum des Polo Club St. Moritz, die Galas zu den St. Moritz Art Masters, die spektakuläre Eröffnungsfeier im Kempinski Hotel Berchtesgaden – oder alle Jahre wieder Silvester. Dort muss alles auf den Punkt geplant sein und dann auch umgesetzt werden. Man kann immer etwas optimieren, eine Nuance hier und da – im Großen und Ganzen habe ich immer die für mich richtigen Entscheidungen getroffen und das Quäntchen Glück gehabt, zur richtigen Zeit am richtigen Ort gewesen zu sein – von daher würde ich nichts anders machen.

Seit gut einem Jahr sind Sie nun in einem der renommiertesten Hideaways, dem Kempinski Hotel Berchtesgaden, als Hotelmanager tätig. Wie gelingt es Ihnen, die enormen Anforderungen der Luxushotellerie mit Ihren privaten Interessen, Ihrer Familie in Balance zu bringen?

Meine Frau kommt selbst aus der Hotellerie. Sie weiß um die täglichen Anforderungen und das Pensum in meinem Job. Sie hat mir aber schon immer den Rücken frei gehalten. Bis vor zwei Jahren war sie auch noch voll berufstätig, da wir gemeinsam das Almdorf seinerzeit erfolgreich repositioniert haben. Seit unser Sohn Valentin auf der Welt ist, hat sich natürlich einiges geändert und die letzten beiden Jahre waren sehr intensiv. Umzug, Wohnungsausstattung, Kinderkrippe – um all dies hat sich meine Frau gekümmert. Wenn jetzt aber Urlaubszeit oder auch mal Wochenende ist, gehört diese Zeit dann auch zu 90 Prozent der Familie. Genauso gehört auch ein gemeinsames Frühstück am Samstag im Restaurant Johann Grill oder ein Kaffee am Sonntag in unserer Kaminbar zum „Familienprogramm“.

Das Hotel liegt an einem sehr spektakulären Ort – dem Obersalzberg, im ehemaligen „Führersperrgebiet“.  Sie bieten Arrangements auf höchstem Niveau an: Ob Kulinarik, Spa, Wandern, Golf, Tagung oder Lebensfreude – Ihre Gäste bekommen das Besondere geboten. Wie findet Geschichte und Moderne hier zueinander?

Das Hotel ist Teil des Zwei-Säulen-Konzepts des Obersalzbergs – einerseits die Dokumentation der Historie 1933–1945, die in 500 Metern Entfernung in der Dokumentation Obersalzberg zu sehen ist. Die zweite Säule ist die touristische Erschließung des Obersalzbergs.

Wir haben gelesen, dass Sie keine Sorgen in Bezug auf den Nachwuchs, sprich Auszubildende haben. Sie beschreiten auch schon mal besondere Wege – wir denken hier an das Teambuilding-Event Klettersteig „Steil bergauf“. Was machen Sie anders als Ihre Kollegen?

Im Hotel ist ein sehr gutes Ausbildungskonzept integriert, mit einem hervorragenden Rotationsplan – und meiner Assistentin Belinda Heimann, die sich speziell um die Auszubildenden kümmert. Die beiden Küchenchefs Thomas Walter und Ulrich Heimann sind auch schon als Ausbilder des Jahres ausgezeichnet worden. Der gemeinsame Klettersteig ist sozusagen nur das i-Tüpfelchen. Hintergrund war und ist aber immer das Team und die Arbeit im Team. Und es war sehr interessant, am Berg zu sehen, wie einander geholfen wird, die Hand gereicht, auf Gefahren hingewiesen und zum Schluss gemeinsam der Gipfel – das Ziel – erreicht wird. Und glauben Sie mir, der Klettersteig- „Jahrgang“ ist ein eingeschworenes Team. Wir haben momentan 26 Auszubildende. Ziel sind pro Lehrjahr 30 Auszubildende,  das heißt immer 30. Kempinski eröffnet nach der Ausbildung viele Möglichkeiten – national sowie international. Mit einem guten Abschluss und dem Zeugnis aus dem Kempinski Hotel Berchtesgaden stehen unseren Auszubildenden alle Türen für eine große Karriere offen.

Was geben Sie den jungen Leuten nach ihrer Ausbildung mit auf den Weg?

Das, was ich ihnen schon am ersten Tag ihrer Ausbildung mit auf den Weg gebe: Von nichts kommt nichts. Und dass ich davon überzeugt bin, dass mit Willen und Einsatz, Leidenschaft und dem Quäntchen Glück jeder alles erreichen kann. „Lernen“ findet nicht nur bei der Arbeit oder in der Schule statt, sondern Weiterbildung und Interesse an gewissen Dingen führen sich ein Leben lang fort. Auch das kann jeder für sich selbst entscheiden und ist dafür verantwortlich.