Gaststätte Drosselbart, Frankfurt-Eschersheim

Biergartenmobiliar, alter Kastanienbaumbestand und frisch gezapftes Bier sind vorhanden und damit drei essentielle Voraussetzungen für einen Biergartenaufenthalt erfüllt. Aber wir befinden uns nicht an der Isar, sondern am Main, und daher darf auf der Karte und auch auf den Tischen das „Schöppsche“, also der Apfelwein, nicht fehlen. Die kompakte Speisekarte hält neben diversen Salaten auch für die Fans hessischer Spezialitäten ein paar Klassiker bereit, so wie man es vom zweitältesten Lokal im Stadtteil auch erwarten darf.

Dabei stand das altehrwürdige Lokal vor einem Jahr fast vor dem Aus. Der Biergarten sollte zu Baugrund werden, ist doch Miet- und Wohnraum in der expandierenden Stadt Mangelware. Und mit der U-Bahn-Station „Weißer Stein“ vor der Haustür ist die Lage hochbegehrt. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend des Aussterbens der Eckkneipen konnten sich die neuen Pächter – sehr zur Freude der vielen Stammgäste – gegenüber den Investoren behaupten und damit den Fortbestand des Drosselbarts und seiner wunderschönen Kastanien sichern.

Ginnheimer Wirtshaus, Frankfurt-Ginnheim

Voll bis auf den letzten Platz präsentiert sich der Biergarten am Ginnheimer Wäldchen an einem warmen Sommerabend. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde das eigene Bier im Keller gebraut. Doch weil die Brauerei im Keller den heutigen Standards nicht mehr entsprach, hat man einer kleinen Brauerei in Bayern das exklusive Brauen des „Ginnheimer Wirtshaus“-Kellerbiers in hell und naturtrüb überlassen. Wer es lieber dunkel und malzig mag, dem sei das ebenfalls hauseigene Urbräu empfohlen. Alle Biersorten sind süffig und erfrischend und werden auf Wunsch auch im zünftigen 1-Liter-Maßkrug ausgeschenkt. Bei über 30°C Außentemperatur empfiehlt sich eher das „kleine“ Bier von 0,4 l oder zügiges Leeren des Maßkrugs, da auch das Ginnheimer Kellerbier bei einer Trinktemperatur von über 10 Grad schnell seinen Reiz verliert.

Nach dem Genuss des mächtigen Zwiebelschnitzels mit Pommes frites ist der Haselnussgeist der Brennerei Dirker aus dem unterfränkischen Mömbris als Verdauungshilfe zu empfehlen. Beim Nippen des 40-Prozenters merkt man die Liebe und Hingabe, mit der Obstbrenner Arno Dirker seine Brände und Geiste herstellt.

Gerbermühle, Frankfurt-Oberrad

Der Biergarten der Gerbermühle mutet zunächst nicht wie ein Biergarten an – trotz der schattenspendenden Kastanienbäume. Hier ist alles etwas sauberer, etwas edler, etwas eleganter. Hier geht es nicht nur darum, ein gemütliches und ungezwungenes Bier am Feierabend zu trinken, sondern auch darum, zu sehen und gesehen zu werden. Und so mischt sich ein buntes Völkchen aus Geschäftsleuten mit offenem Krawattenknoten, Familien mit Kindern sowie Joggern und Radfahrern, die zur Rast halten, in dem Sommergarten am Ufer des Mains, wo schon Goethe eingekehrt sein soll.

Während auf den Bierbänken des Biergartens Brezeln, Handkäs mit Musik oder auch ein Lyoner Wurstsalat zum Bier gereicht wird, kann man auf der eingedeckten Terrasse Tagliarini Tartufo, gefolgt vom Entrecote vom Angusrind zu einem erlesenen französischen Roten genießen. Und so hält die Gerbermühle für jeden Gast das Passende bereit, stets mit Blick auf die Frankfurter Skyline, die insbesondere zur Abendzeit ihren ganzen Charme versprüht.

Landgasthof Rote Mühle, Bad Soden am Taunus

Wer einen Biergarten mit langer Geschichte sucht, ist in der Roten Mühle richtig, denn die ehemalige Mühle am Liederbach feiert im nächsten Jahr ihr 400-jähriges Bestehen. Als Gaststätte wird das an der Kreuzung der Bundesstraßen B8 und B519 mitten im Grünen liegende Gebäude jedoch erst seit den 1920er Jahren genutzt.

Teile der alten Fachwerkmauern konnten einem Brand und dem Bombardement im Zweiten Weltkrieg standhalten und verleihen so dem Biergarten einen besonderen Charme. Wenn es in Frankfurt im Sommer zu heiß wird, zieht es besonders viele Erholungshungrige am Wochenende in den Taunus. Daher ist die Reservierung eines Tisches für eine größere Gesellschaft zu jeder Tageszeit Pflicht. Auch Wanderer oder Radfahrer kehren für eine Erfrischung oft und gerne ein.

Auf der Speisekarte finden sich die Klassiker der deutschen Hausmannskost mit hessischem Einschlag wieder. Neben dem Rumpsteak mit Zwiebeln und Kräuterbutter werden eben auch Rippchen mit Sauerkraut oder Tafelspitz mit Grüner Soße angeboten. Die Saisonkarte mit Spargel im Frühsommer oder dem Gänsebraten im Spätherbst, dann aber eher drin im behaglichen Gastraum, runden das kulinarische Angebot ab. Auch wenn hier keine Kastanien, sondern Linden Schatten spenden, ist dieser Biergarten außerhalb Frankfurts eine Landpartie allemal wert.